Trumps Pearl Harbor

Mit Trump ist es wie mit dem Kindsmord. Niemand mag sich vorstellen, dass Eltern zu so etwas in der Lage sind. Alle Warnzeichen vor der Tat werden deshalb übersehen: Dass die Mutter oder der Vater grausam mit dem Kind umgehen, ihm Gewalt zufügen und ganz offensichtlich keinen Respekt vor ihm haben.

Ebensowenig kann oder will sich irgendwer vorstellen, dass der amerikanische Präsident sein Land an Russland verkauft, um sich die Taschen zu füllen. Das wäre ja – beinahe! – noch ungeheuerlicher als sein eigenes Kind zu töten. Und deswegen ist es undenkbar. Mit einem ähnlichen Abwehrreflex haben sich wohl auch viele Opfer des Nationalsozialismus zu beruhigen versucht. Der Spruch “Wenn das der Führer wüsste…!” bleibt zwar unvollständig, aber es ist klar, wie er aus Sicht des Sprechers weitergehen würde. “Wenn das der Führer wüsste…, dann würde er das sofort beenden!”

Auf eben diesen Abwehrreflex setzt auch Trump. Das Chaos im Weißen Haus ist von ihm gezielt orchestriert. Die täglichen Twittertiraden, die widersprüchlichen Ansagen aus dem Stab des Weißen Hauses und aus den Ministerien sind genau das, was sie sein sollen: widersprüchlich und verwirrend. Vor allem sollen sie verschleiern, wer der Urheber des Chaos‘ ist – der Präsident selbst. Und die Rechnung geht auf. Fast alle scheinen darauf hereinzufallen, die Journalisten genauso wie die Mehrheit selbst der republikanischen Abgeordneten und Senatoren im Kongress: Trump wird nicht als Strippenzieher, sondern als Opfer seiner politisch vermeintlich unerfahrenen Mitarbeiter gesehen. Man geht davon aus, dass er als Präsident selbstverständlich das Beste für Amerika will. Die Zeitungs- und Fernsehkommentatoren sowie die Republikaner im Kongress geben deshalb seit fünf Monaten unablässig Ratschläge, wie Trump besser regieren kann. Es wird konstatiert, dass Trump sich über vieles irrt und vieles falsch einschätzt, dass man Wege finden müsse, um ihn aufzuklären, damit er die Sachen richtig macht und endlich im Interesse Amerikas handeln kann. Dazu Diskussionen mit fünf bis sechs Experten am Tisch, in denen Theorien über ‘Palastintrigen’ im Weißen Haus liebevoll im Detail ausgesponnen werden – Wieviel Einfluss hat Ivanka? Kann sie sich gegen Bannon durchsetzen? Wie ist das wirkliche Verhältnis zwischen Bannon und Jared Kushner? Auf wen hört Trump wirklich? Von wem lässt er sich beraten? Wie kann man das Weiße Haus so organisieren, dass Trump gute Berater hat und endlich wirklich regieren kann? Er solle endlich mit dem Twittern aufhören, weil er dadurch doch nur das Regieren und die Gesetzgebung behindert! Und sich selbst und dem Erfolg seiner Präsidentschaft im Wege steht!

Keiner dieser unzähligen ungefragten Ratgeber, die verzweifelt über alle möglichen Kanäle an Trump zu appellieren versuchen, sieht das, was offensichtlich ist: Russland führt Krieg gegen Amerika, und der amerikanische Präsident zuckt mit den Schultern und bezeichnet die Angriffe als ‚Fake News‘. Und nicht nur das. Statt alle Maßnahmen zu ergreifen, die andauernden kriegerischen Angriffe so schnell wie möglich zu unterbinden, tut er in dieser Hinsicht gar nichts und arbeitet er statt dessen mit allen Kräften daran, den Angreifer auch noch zu belohnen – indem er die von der Obama-Regierung verhängten Sanktionen gegen Russland aufzuheben versucht. Man stelle sich mal folgendes vor: Präsident Roosevelt hätte den japanischen Angriff auf Pear Harbor am 7. Dezember 1941 als ‚Fake News‘ bezeichnet und hätte dann nichts Eiligeres zu tun gehabt, als die Wirtschaftssanktionen aufzuheben, die die USA vier Monate vorher gegen Japan verhängt hatten wegen der japanischen Besetzung des heutigen Vietnam.

Wie den Kindsmord wollen wir das nicht wahrhaben. Aber es ist wahr. Das sind die Tatsachen. Es gibt keinen Interpretationsspielraum mehr. Noch ist das Kind nicht tot, aber der Vater steht gerade vor ihm und setzt ihm das Messer an die Kehle. Wenn wir nicht sofort eingreifen, wird es zu spät sein.

(Die Pearl-Harbor-Paralle habe ich von der Freisinnigen Zeitung auf Twitter übernommen: https://twitter.com/FreisinnigeZtg/status/874822886002917376)

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

3 Responses to Trumps Pearl Harbor

  1. David says:

    Reiht sich prima ein in die allgemeine Hetze der Staatsmedien. Vielleicht wäre es ganz geschickt, zwischendurch auch mal in die US-Zeitungen (nicht nur WP und NYT) sowie die US-Blogs zu schauen…

  2. David says:

    Nun, es empfiehlt sich meines Erachtens immer, sich ein weniger breiter zu informieren, oder? Ihren Ausführungen entnehme ich aber, daß Sie das offensichtlich nicht tun. Schade. Sie müssen ja auch nicht gleich “Breitbart & Co.” lesen, wobei ich nicht verstehe, warum Ihnen gerade das zuerst einfällt.
    Was all das mit “aus der Anonymität heraus” zu tun hat, verstehe ich nicht. Vielleicht deaktivieren Sie einfach Ihre Kommentarfunktion, wenn Sie keine Anmerkungen haben wollen?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s