Flüchtlinge, deren Ausbildung und der Arbeitsmarkt

Die Flüchtlinge aus Syrien, so werden wir beharrlich und immer mit süffisantem Unterton aufgeklärt, seien beileibe nicht sämtlich „Ärzte und Ingenieure“, und deshalb sollten wir mal besser ganz schnell die Illusion aufgeben, sie würden sich schnell „in den Arbeitsmarkt integrieren lassen“, wie die – wohlgemerkt passivische – Formulierung lautet. Für diejenigen, die sich auch in ihren blühendsten Phantasien nicht auszumalen vermögen, dass man am Markt teilnehmen kann außer in Form einer „abhängigen“ Beschäftigung, ist die Katastrophe dann folgerichtig unabwendbar und deren Eintritt nur noch eine Frage der – sehr kurzen – Zeit: Hunderttausende, kaum der deutschen Sprache mächtig, werden, samt ihren nachgezogenen Familienmitgliedern, nicht in der Lage sein, eine Arbeit zu „finden“ und deshalb auf Dauer vom deutschen Steuerzahler alimentiert werden müssen.

Dieses im Spießerhirn geborene Bild wird nun aber durch die Erfahrung vollständig widerlegt: Erwachsene Flüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge arbeiten im neuen Land nur sehr selten in ihrem eigenen Beruf (Ärzte, Pfleger, Ingenieure und IT-Entwickler sind die Ausnahme), weil die Sprachbarriere das in den meisten Berufen nicht erlaubt. Statt dessen machen sie sich selbständig. Ich kenne da Dutzende Beispiele: Der ungarische Anwalt, der 1988 eine Putzfirma aufmacht, das Philologenehepaar aus Kiew, das seit 25 Jahren vier Tankstellen in einer deutschen Großstadt betreibt, die afghanische Malerin mit eigener Galerie; portugiesische, italienische, spanische, afghanische und chinesische Restaurantbesitzer, die in ihrem eigenen Land oft Akademiker waren, türkische Gemüsehändler, iranische Exporteure für Bierbrauanlagen und, und, und. In New York sind in den letzten Jahren viele der kleinen Obst- und Gemüseläden verschwunden, die die Orangen immer in so hübschen Pyramiden auf dem Gehweg ausgestellt hatten: Die Vietnamkriegsflüchtlinge aus allen gesellschaftlichen Schichten, die sie eröffnet hatten, sind zu alt, um noch weiterzumachen, und ihre Kinder arbeiten als Investmentbanker, Ärzte und Anwälte. Und die illegalen mexikanischen Einwanderer können leider auch nicht in deren Fußstapfen treten, weil sie als Illegale keine Geschäfte betreiben dürfen…

Auf facebook berichtet ein Bekannter seit drei Wochen, dass in Berlin die syrischen Imbisse zur Zeit wie Pilze aus dem Boden sprießen: Sehr lecker und auch noch billig, ist sein Kommentar. Der deutsche Spießer aber sieht vor seinem geistigen Auge Bilder von jungen syrischen Männern, die jahrelang – und üppig ausgestattet mit seinen Steuergeldern –  in „Asylantenheimen“ wohnen, wo sie bestenfalls den ganzen Tag auf dem von ihm bezahlten iphone rumdaddeln und schlimmstenfalls rausgehen, um entweder deutsche Frauen auf der Straße zu vergewaltigen oder sich einem islamistischen Prediger anzuschließen. Alles andere sprengt seine äußerst begrenzte Vorstellungskraft. Ich gebe aber zu, dass man ihm – dem deutschen Spießer – dabei eins zugute halten muss: Sein Bild vom Einwanderer – oder „Zuwanderer“ –  ist durch und durch bestimmt durch den Typus des türkischen „Gastarbeiters“ von vor fünfzig Jahren, der vom deutschen Staat „angeworben“ und dann in eine Ghettowohnung, sowie in die für ihn vorgesehene Arbeit „umverteilt“ wurde. Dass es diese – sehr untypische – Form der Einwanderung seit mindestens dreißig Jahren nicht mehr gibt, ist ihm bis heute nicht aufgefallen. Ebensowenig kann er begreifen, dass die allermeisten, die aus Afghanistan und Syrien auf beschwerlichem Weg hierhergekommen sind, viel mehr anstreben als das iphone auf seine Kosten – und in der Regel die Intelligenz, den Willen und die Kraft haben, das auch zu erreichen. Die Qualität der Ausbildung, die sie genossen haben, ist dabei relativ belanglos. Aber so wird er dann umgetrieben von diversen Ängsten und Befürchtungen angesichts jedes Ausländers, der deutschen Boden betritt, um sich hier vorübergehend oder vielleicht auf Dauer aufzuhalten und Geld zu verdienen. Vielleicht befürchtet er insgeheim, dass der syrische Flüchtling, der heute in die Containersiedlung bei ihm nebenan einzieht, nach nur zwei Jahren schon eine Eigentumswohnung in der besseren Gegend kauft und die iphones für seine Familie mit Sicherheit aus eigener Tasche zahlen kann?

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4 Responses to Flüchtlinge, deren Ausbildung und der Arbeitsmarkt

  1. Bei allem Respekt aber diese Darstellung ist etwas zu rosig. Es wäre auch gut, wenn Sie ihre Thesen mit Fakten und Zahlen untermauern würden, insbesondere wieviele dieser Selbstständigkeiten, wie hoch die Selbständigenquote wirklich ist und wie viele Kleinunternehmen wirklich zum Lebensunterhalt ausreichen. Mag sein, dass (wie auch schon in den Jahren davor) insbesonder im Bereich Schnellgastronomie, Autohandel etc Selbstständigkeiten entstehen – aber wie nachhaltig diese sind mag ich bezweifeln. Zumal jede Neugründung auch auf einen oft gestättigten Markt trifft. Weiter ist ein Großteil der Migranten nicht akademisch gebildet sondern besitz allenfalls einen Grundschulabschluss. Diese werden – und hier sind eben die Befürchtungen – gerade auf die sozial schwachen, bildungsfernen Schichten in Deutschland den Druck bezüglich Wohnungen, Arbeitsmarkt etc erhöhen. Schweden ist hier ein “gutes” Beispiel und wiederspricht ihrer These vom reibungslosen eingliedern der Migranten, denn so einfach wie sie es hier postulieren ist das ganze nämlich nicht.
    Was an einer kritischen – vom multikuliti Jubeln differenten – Meinung denn nun “spießig” ist, erschließt sich mir überhaupt nicht. Letztlich ihrerseits ein Versuch, andere Meinungen von vornherein zu diskreditieren (ist ja mitlerweile üblich). Ich für meinen Teil halte solche “blumige alles ist gut” Darstellung für sehr gefährlich, da es weder die Problematiken einer Massenzuwanderung ernst nimmt noch die der Urbevölkerung und der Migranten. Helfen wird soetwas höchstens dem eigenen Gutgefühl und gibt gutes Futter für die rechten Rattenfänger.

  2. Rika says:

    Bei Facebook habe ich Ihren Beitrag so kommentiert: Nun folgt also die Umdeutung – nicht alle sind Akademiker und wollen als Artz, Ingenieur oder Atomphysiker arbeiten, neiin:
    “Dieses im Spießerhirn geborene Bild wird nun aber durch die Erfahrung vollständig widerlegt: Erwachsene Flüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge arbeiten im neuen Land nur sehr selten in ihrem eigenen Beruf (Ärzte…”
    ——
    Was sich das Spießerhirn gar nicht vorstellen kann, die Leute streben alle in die Selbstständigkeit und eröffnen täglich neue Imbisssbuden, Nähstuben, Tankstellen und Cafes.
    Na, dann kann ich ja mein Spießerhirn wieder anderen Sorgen zuwenden.
    Danke für diese wunderbare Information!

    —— Was sich das gut ausgebildete Hirn der Frau Eva Ziessler aber nun so garn nicht vorstellen mag, ist die einfache Tatsache, dass das deutsche Spießerhirn die Arbeitswelt in Deutschland als die einer Industrienation begreift und von daher auch die Vorstellung von Arbeit und Arbeitsplatz geprägt ist. Die syrische Arbeitswelt aber vermutlich von Kleinstgewerbetreibenden geprägt ist…. und so geht der arbeitslose syrische Akademiker eben nicht zu VW ans Band (es gibt viele solcher Beispiele), sondern macht ne Teestube auf. Ganz im Sinne seine arbeitskulturellen Gepflogenheiten.
    Ich finde es wenig hilfreich mit Begriffen wie “Spießerhirn” alle ängsliche fragenden Einheimische dieses Landes zu beleidigen und mundtot zu machen zu wollen.

  3. balpheubank says:

    Hallo Frau Ziessler,

    gleich zu Anfang möchte ich mich mal outen: Ich gehöre auch zu den “deutschen Spießern”, den Sie mit Ihrem Beitrag den Spiegel vorhalten wollen. Nichtsdestotrotz lese ich Ihre Beiträge auf der Achse sehr gerne. Im Gegensatz zu anderen linken Medientätigen versuchen Sie nämlich als Autorin zumindest Ihr Publikum mit Argumenten und Schlüssigkeiten zu überzeugen und sie nicht stattdessen mit dem Schwingen der Moralkeule einzuschüchtern, um sie so zu opportunistischen Verhalten zu nötigen. Sie versuchen nicht den Leuten ein schlechtes Gewissen zu implantieren, um sie in Ihrem Interesse fernzusteuern und ua. zu bewirken, dass diese sich duldsam erweisen und zu allem nur noch “Ja” und “Amen” sagen. Sie versuchen nicht die Menschen auf klebrige Claus Kleberische Art_und_Weise zu belehren und zu schulmeistern und Sie versuchen auch nicht die harschen Alltagsgegebenheiten prosaisch-euphemistisch umzudichten, um sicherzustellen, dass die Realität auch gefälligst zur idealistischen Utopie passt. Unter Ihresgleichen stellen Sie mit alledem aber nur eine löbliche Ausnahme dar -und hier beginnt nun meine Kritik- eine Ausnahme, die voraussichtlich von ihrer Quantität und Qualität mindestens genauso auf die in Zukunft unternehmerisch tätigen syrischen Flüchtlinge zutreffen wird.

    Dummerweise ist Ihr Bild vom Bestandsmigranten der ersten Generation, also vom typischen “Gastarbeiter” leider genauso klischeehaft, wie das des “deutschen Spießers”, da Sie gänzlich ausser Acht lassen, dass schon die Einwanderer, die während des sogenannten “Wirtschaftswunders” nach Deutschland kamen, nicht nur als lohnabhängige Beschäftigte, sondern ebenso als selbstständige Gewerbetreibende bei uns arbeiteten. Und das vermehrt, als nach der “Ölkrise” in den 70ziger Jahren, die einfachen Hilfsarbeitertätigkeiten, die sie ausgeführt hatten, im Zuge der Rationalisierungsmaßnahmen in den Unternehmen und dem Abwandern der Jobs nach Fernost, nach und nach verloren gingen.

    Und da haben wir dann als Beispiele für die Selbstständigen der Gastarbeitergeneration den italienischen Eisdielen- und den griechischen Restaurantbesitzer, den türkischen “Döner Kebab”-Imbissbetreiber und Obst- und Gemüseverkäufer, den iranischen Teppichhändler, den jugoslawischen Gebrauchtwagenhändler oder die portugiesische Änderungsschneiderei. Und? Haben und hatten alle diese selbstveranwortlich und eigeninitiativ handelnden Migranten irgendetwas an dem Umstand geändert, das die RIESENGROßE Mehrheit der Zuwanderer, die in den letzten 65 Jahren zu uns gekommen sind, eben NICHT mit der gleichen Lebenseinstellung und den gleichen Fähigkeiten zu uns gekommen sind, wie diese agilen Unternehmerpersönlichkeiten? Das ein nicht geringer Anteil vorallem und besonders von muslemischen Migranten, stattdessen in fatalistischer Passivität verharrt und jede Initiative verweigert, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren? Das die Arbeitslosigkeit unter Migranten mehr als doppelt so hoch ist wie die unter Deutschen, weil die “Qualität der Ausbildung, die sie genossen haben” EBEN NICHT, wie Sie schreiben, “relativ belanglos” ist? Und das auch hier(was die Arbeitslosigkeit und die Unbildung betrifft) wiederum die Muslime in besonders negativer Weise hervorstechen? Und die Muslime aus der Türkei, die kommen aus einem Land, das unter Kemal Atatürk laizistisch geprägt wurde und dessen Gesellschaft und Wirtschaft bei weitem fortschrittlicher war/ist, als dass das für das arabisch geprägte Syrien je zutraf oder zutrifft. Wenn Deutschland schon so große Schwierigkeiten hatte/hat, die WESTLICH GEPRÄGTE türkische Community zu integrieren, ja du lieber Himmel, wie unendlich viel schwieriger und aufreibender wird das dann wohl erst mit den muslemischen Syrern, Irakern, Lybiern, Eritreäern, Somalies, Afghanen, Pakistanis, Bangladeshi und den muslemischen Indern werden, die über das Mittelmeer und über die Balkanroute in unser Land strömen?(Und von den meist gänzlich unbeschulten Jungmännern aus Zentralafrika, dessen Lebenserfahrungen und Sozialisationen von unserer eigenen Lebenswirklichkeit in unserer HighTech-Welt so entfernt sind, wie sie garnicht entfernter sein können(Zumindest, wenn sie nicht aus einer zentralafrikanischen Großstadt kommen), will ich erst garnicht anfangen zu reden.)

    Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn schon die bisherigen Migranten -auch unter Berücksichtigung ihrer unternehmerisch tätigen Landsleute- es unter weit günstigeren wirtschaftlichen, kulturellen, bildungsbedingten, als auch persönlichen Umständen nicht geschafft haben, mit den einheimischen “Biodeutschen” gleichzuziehen, wie sollen es jetzt die derzeitigen Flüchtlinge, die noch erheblich schlechtere Startchancen haben als ihre Vorgänger, erst “wuppen” können? Ist doch vollkommen illusorisch, oder nicht?! Auch der hochgebildeste Syrer, Iraker, Lybier, Afghane oder Pakistani ist, selbst wenn er Top-Diplome vorweisen kann, in Europa ein Analphabet, weil er nicht die lateinische Schrift beherrscht. Das ist für die Flüchtlinge aus dem arabischen Kulturkreis, neben den nicht vorhandenen deutschen Sprachkenntnissen, wohl die größte Hürde überhaupt, die genommen werden muss, um in unserer Gesellschaft auch nur den Hauch einer Chance auf eine Teilhabe zu erlangen. Wenn dann auch noch erforderliche Schul- und Berufsausbildungen fehlen, um für einen einheimischen Arbeitgeber überhaupt eine Option, neben den deutschen Arbeitnehmern mit und ohne Migrationshintergrund und neben den Pool von potentiell 500 Millionen EU-Arbeitnehmern(auf die der Unternehmer im Zuge des europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeitsgesetzes zugreifen kann) darzustellen, müssen die derzeit noch jungen männlichen (und wenigen weiblichen)Flüchtlinge über einen so langen Zeitraum durch unterschiedlichste Maßnahmen nachqualifiziert werden, sodass sie -so zynisch das auch immer klingen mag- anschließend dann schon wieder zu alt für den hiesigen Arbeitsmarkt sind. Und selbst wenn alles gelänge, endeten die Integrationsprobleme damit nicht schlagartig, wie man es im benachbarten Ausland mit Sorge beobachten kann, wo teilweise schon seit vielen Jahrzehnten Migranten aus dem arabisch-muslemischen Halbmond und aus Zentralafrika nach Europa eingewandert sind. Wir Deutschen sind quasi nur die Letzten in Westeuropa, die nun ebenso auch an den Migrationsbewegungen aus diesen beiden Weltregionen im größeren Umfang teilhaben. Blicken wir nun jenseits unserer Grenze, so gibt es wahrlich wenig, was uns beim Betrachten des dortigen multikulturellen Zusammenlebens Anlass zum Frohsinn geben könnte. Welche riesigen Probleme haben die Franzosen mit ihren Einwanderern aus dem Maghreb und aus der Subsahara? Schon mal in dem Zusammenhang was von “brennenden Banlieues” in Frankreich gehört, Frau Ziessler? Warum ist ausgerechnet die eher beschauliche belgische Hauptstadt Brüssel mit seinen 1,1 Millionen Einwohnern, die mit Abstand gefährlichste, weil kriminellste Metropole Europas? Schon mal was von dem von Nordafrikanern dominierten Stadtteil Brüssel-Molenbeek gehört? Oder welche Riesenprobleme haben die Niederländer mit ihren marokkanischen Mitbürgern? Was meinen Sie wohl, warum im ultraliberalen Holland ein Rechtspopulist wie Geert Wilders mit seiner Antimuslim-Partei “PvF” locker über 20 Prozent der Wählerstimmen ergattern kann?(Ein Tipp: Einfach mal “Niederlande” und “Marokkaner” googlen) Welche großen Probleme haben die Briten mit ihrem pakistanischen Bevölkerungsanteil?(Ein Tipp: Einfach mal “Pakistaner”, “Manchester” und “Skandal” googlen) Aus welchem drängenden Gründen haben die sehr toleranten Dänen drastische Gesetzesverschärfungen(Stichwort: Sozialleistungen) in Hinblick auf ihre ethnischen (vorallem muslemischen)Minderheiten erlassen? Warum haben die rechtsnationalen Schwedendemokraten in Schweden bei aktuellen Meinungsumfragen die schwedischen Sozialdemokraten überflügelt und sind nahe dran, die stärkste Partei in dem skandinavischen Land zu werden? Warum? Warum? Warum nur? Warum? Weil eine böse geheimnisvolle Kraft die Seelen all der vormals freundlich gesinnten Einheimischen in diesen Ländern verfinstert und sie zu Dunkelmenschen transformiert hat?

    Vielleicht sagen Sie jetzt, Frau Ziessler: “Lass den engstirnigen Kommentator doch ruhig dumpf rumlabern. Der hat doch eh keine Ahnung. Und Abitur und einen Uniabschluss hat er, so wie ich, gewiss auch nicht, denn Spießer kommen allermeist aus dem Kleinbürgermilieu und ein Hauptschulabschluss ist bei den provinziellen Pifkes allermeist schon das höchste der Gefühle. Ich, als kosmopolitische Großstadtbewohnerin, habe hingegen schon einen wesentlich souveräneren, erhabeneren Überblick über die Dinge der Welt. Und zudem ist der einzige Ratgeber, auf den ich -als Akademikerin- höre, selbstverständlich nicht, wie bei den schreckhaften Bildungsfernen, meine Emotion, sondern mein Geist bzw. mein Verstand.”

    Mag ja alles sein. Nur bitte, wenn Sie meinem Urteil nicht folgen wollen, dann sollten Sie wenigstens der Arbeitsministerin Andrea Nahles Ihre Aufmerksamkeit schenken, die mindestens genauso große Probleme hat, in Ihren großen Dimensionen zu denken, wie ich oder wie die anderen kleinkarierten Krämerseelen, die auch nicht so Recht an den bundesweiten Gründerboom levantinischer Start-Up Unternehmen hochbegabter, studierter Ingenieurbetriebswirtschaftsinformatikanwaltsoberärzte glauben können, die angeblich zu hunderttausenden unsere Asylbewerberunterkünfte bevölkern.

    Andrea Nahles: “Nicht einmal jeder zehnte Flüchtling ist für Arbeit oder Ausbildung qualifiziert…Meist fehlen die Deutschkenntnisse, aber auch anderes…Nicht alle, die da kommen, sind hoch qualifiziert. Ganz klar, das ist nicht so. Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall.“ Man brauche in den meisten Fällen „ergänzende Qualifizierung“, in vielen Fällen aber auch erst „eine grundständige Ausbildung“. „In der Arbeitslosenstatistik wird sich das niederschlagen. Ich wünsche mir, dass alle, die heute sagen, das wollen wir stemmen, wir wollen die Menschen bei uns aufnehmen, sich daran auch noch in einem Jahr erinnern.“ Dies sei „dann kein Zeichen einer gescheiterten Arbeitsmarktpolitik, sondern ein Zeichen, dass wir eine große, eine andauernde Aufgabe bewältigen müssen…..“

    LINK: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/11/nahles-nicht-einmal-jeder-zehnte-fluechtling-fuer-arbeit-oder-ausbildung-qualifiziert/

    Ahja! “Nicht einmal jeder zehnte Flüchtling ist für Arbeit oder Ausbildung qualifiziert.” Sagt die erbsenzählende Banausin Andrea Nahles mit süffisantem Oberton, von der grantigen Hinterwäldlerpartei SPD. Tzetzetze. Wo doch tief in jedem jungen syrischen Mann ein Bill Gates oder gar ein Steve Jobs(Sein Vater war Syrer) verborgen ist, dessen brachliegenden, enormen Talentschatz man nur mit…nun ja…mit kostspieligen Fördermaßnahmen und vollem Sozialpädagogenpowereinsatz rauskitzeln muss. Also sozusagen das Einfachste der Welt, wenn, ja, wenn man halt nicht ein kleinmütiger Korinthenkacker ist, der den Flüchtlingen so ein galaktisches Potential aus Denkfaulheit und Borniertheit heraus einfach nicht zutrauen will, oder halt, wenn man als weitgereister Journalist bei der ARD arbeitet, der in einer “Vor _Ort”-Reportage der Tagesschau seinen verdutzten Zuschauern beichten muss, dass 75 Prozent aller arbeitsberechtigten Flüchtlinge(die allermeist Muslime oder Zentralafrikaner sind) in Schweden, trotz aller sehr bemühten sozialstaatlichen Anstrengungen dauerarbeitslos sind. Und das, obwohl alle Asylbewerber, die bleiben dürfen, verpflichtet werden, einen zweijährigen Integrationskurs zu durchlaufen, um ein Teil der schwedischen Gesellschaft werden zu können.

    LINK: http://www.tagesschau.de/ausland/vorbild-schweden-101.html

    Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hat bei Maybritt Illner am 10.09.2015 zugegeben, dass “…..in der Vergangenheit nur 12% der Asylbewerber/Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten…..” Ziemlich schockierend, nicht wahr?! Bedeutet das doch nichts anderes, als dass die rund 2 bis 3 Millionen Flüchtlinge, die schätzungsweise seit 1980 bis zum Jahr 2013 in Deutschland um Asyl gebeten hatten, zu deprimierenden 88% langzeitarbeitslos waren/sind. Richtig?!

    Und Prof. Werner Sinn vom IFO-Institut äussert sich zu dem Thema, indem er feststellt: “…..Um die neuen Arbeitskräfte in den regulären Arbeitsmarkt zu integrieren, wird man den gesetzlichen Mindestlohn senken müssen, denn mehr Beschäftigung für gering Qualifizierte gibt es unter sonst gleichen Bedingungen nur zu niedrigerem Lohn…Die Menschen, die kommen, sind jung und arbeitswillig, aber im Durchschnitt nur wenig gebildet. Daher ist die Bedeutung, die die Zuwanderer für die deutsche Wirtschaft haben, nicht vergleichbar mit der Rolle der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, die dank ihres Könnens damals ganz erheblich zum wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands beitrugen“, urteilt Sinn. Gelinge es nicht, die Zuwanderer in den Arbeitsmarkt zu integrieren, würde dies „die Idee von der Willkommenskultur unterhöhlen und gefährliche Friktionen in der Gesellschaft entstehen lassen…..”

    LINK: http://www.wiwo.de/politik/deutschland/ifo-chef-hans-werner-sinn-mindestlohn-behindert-integration-der-fluechtlinge-in-den-arbeitsmarkt/12301870.html

    Ubbs!!! “Mindestlohn senken”, um die “neuen Arbeitskräfte” zu beschäftigen und dass, wo die Flüchtlinge doch alle angeblich heißbegehrte akademisch gebildete, höchstqualifizierte Ingenieursfacharbeitergehirnchiurgen sind, auf die die deutsche Wirtschaft -und allen voran die namhaften DAX-Konzerne- schon mit scharrenden Hufen sehnsüchtig wartet? Wie ist das denn jetzt zu verstehen? Und auch die Redakteure des krähwinkligen Hamburger Käseblatts “Die Zeit” können ihre “diversen Ängste und Befürchtungen” nicht hinter’m Berg halten und besitzen nicht genügend “blühende Phantasie”, um sich vorstellen zu können, dass die allermeisten Flüchtlinge kurz- bis mittelfristig mehr als nur eine sehr geringe Chance haben, auf dem heimischen Arbeitsmarkt eine Beschäftigung gleich welcher Art zu finden. Und auf die Vision eines großen Wurfs mittels Unternehmensgründungen durch Flüchtlinge, sind -zu ihrer großen Schande- auch die hanseatischen “Spießerhirne” der ansonsten immer wohlwollend gestimmten Wochenzeitung “Die Zeit” nicht gekommen, Na, also wirklich sowas!

    Artikelzitat: “…..Deshalb gibt es…eine durchaus verbreitete Hoffnung, ja eine fast euphorische Erwartung: Die jungen Flüchtlinge könnten helfen, unser Demografieproblem zu lösen und die Renten zu finanzieren. Sie gefährden nicht den Wohlstand, sie werden ihn mehren. Wenn man jedoch Leute wie Andre Kostov begleitet, sieht es überhaupt nicht danach aus…Kostov wirkt im Modellprojekt “Early intervention” (frühe Intervention) mit, das zum Ziel hat, Flüchtlinge schnell in Arbeit zu bringen…Bei Kostovs Besuch in der Plattenbausiedlung berichten ihm die Flüchtlinge von ihrer Berufserfahrung: Einer sagt, er habe Schmuck hergestellt, ein anderer reparierte Autos, ein Literaturwissenschaftler ist dabei, ein Tierarzt und Faradsch Alabrasch, ein syrischer Fleischer – so übersetzt es jedenfalls der Sozialarbeiter. Als Kostov den Syrer fragt, ob er auch mit Schweinefleisch arbeiten würde, stellt sich das als Missverständnis heraus: Wieso Schweinefleisch? Ich bin Schweißer! Das Gespräch hat seine komischen Momente, doch bitter ist, wie wenig Kostov für die Flüchtlinge tun kann. Keiner von ihnen spricht mehr als ein paar Brocken Deutsch. Dabei lebt Alabrasch schon seit mehr als einem Jahr in Deutschland…Nahles will Flüchtlinge stärker unterstützen, rechnet aber damit, dass es viele nicht so schnell in Arbeit schaffen werden. Im kommenden Jahr erwartet sie deshalb bis zu 460.000 zusätzliche Hartz-IV-Empfänger, bis 2019 eine Million…Das Ergebnis des Modellprojekts Early intervention ist jedenfalls ernüchternd. Es startete im Januar 2014, also vor mehr als eineinhalb Jahren. In dieser Zeit gelang es in Dresden, genau zehn Asylbewerber zu vermitteln, fünf in Arbeit und fünf in Ausbildung. Sind Vorbehalte in Sachsen gegenüber Ausländern der Grund? Oder ist es die bloß mittelprächtige Arbeitsmarktlage? Die Erfahrungen in den neun anderen Großstädten, die an dem Projekt teilnehmen, sind genauso bescheiden. Bundesweit kamen gerade mal 46 Flüchtlinge in Arbeit, 13 in eine Ausbildung. Erschreckend niedrige Zahlen. Dabei suchen sich die Projektmitarbeiter eher vielversprechende Flüchtlinge heraus. “Was wir machen, ist Rosinenpickerei”, gibt Kostov zu. In der Zentrale der Bundesagentur heißt es dagegen, man dürfe nicht zu viel erwarten, schließlich hätten viele Flüchtlinge keinen Schulabschluss oder seien Analphabeten…Über die Asylbewerber ist weniger bekannt. Experten schätzen, dass mehr als die Hälfte von ihnen ungelernt sind, also weder über einen mittleren Schulabschluss verfügen noch über eine Berufsausbildung. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt dies auch für Asylbewerber, die in den vergangenen 20 Jahren nach Deutschland kamen und hiergeblieben sind: Von ihnen waren im Jahr 2013 fast 60 Prozent Ungelernte. Zum Vergleich: Bei Deutschen ohne Migrationshintergrund sind es nur 11 Prozent. Beides bezieht sich auf Erwachsene im Alter von 25 bis 64 Jahren. Die Zahlen sind alarmierend, denn in Deutschland wird zwar viel über einen Mangel an Fachkräften geklagt, aber nicht über zu wenig Ungelernte. Im Gegenteil, in dieser Bevölkerungsgruppe herrscht noch immer Massenarbeitslosigkeit. Jeder Fünfte dieser Gruppe ist arbeitslos, jeder Dritte armutsgefährdet.
    Die Gefahr ist daher groß, dass viele Flüchtlinge eben nicht einen Platz in der Mitte der Gesellschaft finden werden, sondern an ihrem Rand. In einer neuen Schicht von Hoffnungslosen und Enttäuschten. Dass diese Gefahr real ist, illustriert eine andere Einwanderergruppe, die es eigentlich viel leichter haben sollte als die Asylbewerber: EU-Bürger aus Bulgarien. Für sie gibt es sehr genaue, aktuelle Zahlen. Danach steigt der Anteil derjenigen unter ihnen, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, seit geraumer Zeit stark an. Zuletzt bezogen 28 Prozent der hier lebenden Bulgaren Hartz IV. Das waren deutlich mehr als im Schnitt aller Ausländer (17 Prozent) oder im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung (8 Prozent). Sie sind damit auch im Vergleich zu Rumänen (12 Prozent) weit häufiger Hilfeempfänger, dabei kommen sie unter den gleichen Bedingungen nach Deutschland. “Wir wissen nicht genau, woran das liegt”, sagt Herbert Brücker, Migrationsexperte beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. “Aber ein Faktor dürfte sein, dass unter diesen Einwanderern besonders viele Geringqualifizierte sind.” Das Beispiel zeigt, dass es offenbar einen großen Unterschied macht, wer kommt…..”

    Ganzer Artikel: http://www.zeit.de/2015/36/fluechtlinge-arbeit-fachkraefte

    Und auch die Unternehmen wollen bestenfalls Praktikumsplätze anbieten. Wenn denn überhaupt.

    LINK: http://www.zeit.de/2015/39/fluechtlinge-in-deutschland-arbeitsplaetze-unternehmen

    Bei Welt-Online steht ähnliches. LINK: http://www.welt.de/politik/deutschland/article145819644/Bundesagentur-daempft-Erwartungen-auf-Integration.html

    Interessanter LINK: http://www.welt.de/wirtschaft/article146124293/Die-grosse-Huerde-fuer-Fluechtlinge-bei-der-Jobsuche.html

    Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende.

    MfG,
    Balph Eubank

  4. ziessler says:

    Schöner Artikel über Migranten und Selbständigkeit:
    “What you do depends on who picks you up at the airport,’” he noted. “I, too, followed my relative into the same business.” – ein koreanischer Mathematiker, der Ende der 1970er Jahre in die USA kam und die geplante Universitätslaufbahn für einen kleinen Gemischtwarenladen aufgab.
    http://www.voxeu.org/article/social-networks-ethnicity-and-entrepreneurship

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