Meine ADAC-Mitgliedschaft

Im Verein ADAC bin ich seit mehr als zehn Jahren Mitglied, und zwar – das möchte ich betonen – bin ich bei denen freiwillig Mitglied geworden. Ganz im Gegensatz zu meiner Mitgliedschaft in den Vereinen Krankenversicherung, Rentenversicherung und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten – nur zum Beispiel. Im Gegensatz zu den anderen Vereinen ist mir der ADAC auch noch nie auf die Nerven gefallen: Er schickt mir keine Briefe, mit denen ich unter Androhung von Strafen aufgefordert werde, Auskunft zu erteilen und Nachweise zu liefern über meine Einkünfte, meine Arbeitszeiten oder meine Wohn- und Lebenssituation insgesamt. Auch muss ich beim ADAC keine Fotos von mir abliefern. Einmal im Jahr bucht der Verein den Mitgliedsbeitrag ab, der seit meinem Beitritt nicht erhöht worden ist – ungefähr 50 Euro. Die Vereinszeitschrift, die viermal jährlich verschickte Motorwelt, habe ich mit einem kurzen Telefonanruf abbestellt, weil ich sie nicht lese und nicht wollte, dass sie mir den Briefkasten verstopft. Das hat auf Anhieb geklappt, während ich nun schon seit zwei Jahren nervige Telefonate mit meiner Krankenversicherung führe, weil die Fotos, die sie für die „Gesundheitskarte“, die ich gar nicht haben will, von mir verlangen, regelmäßig verschlampt werden.

Für den lächerlichen Mitgliedsbeitrag hat der ADAC bei mir schon so Einiges geleistet. Anders als zum Beispiel Ärzte macht er nicht nur tagsüber, sondern auch mitten in der Nacht immer dann zügige Hausbesuche, wenn ich ein Problem habe – ein Anruf genügt. Und man muss dafür keinen Pfennig extra zahlen. Bei etlichen solcher Hausbesuche haben mir freundliche Männer Starthilfe gegeben – und das ging so zackig, dass ich noch rechtzeitig zu meinen Terminen gekommen bin. Zwei- oder dreimal haben sie auch eine neue Batterie eingebaut, ohne dass ich mir die Finger schmutzig machen musste. Für die neue Batterie statt bloß für Starthilfe habe ich mich immer dann entschieden, wenn die Batterie älter als vier Jahre war. Als ich einmal nachts auf der Autobahn auf ein anderes Auto draufgerauscht bin (meine Schuld), kam der ADAC umgehend, schleppte mein Auto zur nächsten Werkstatt und fuhr mich dann zum Hotel in der nächstgelegenen Großstadt. Dass das Kassel war, war nun nicht die Schuld der freundlichen Männer vom ADAC.

 Die seit Wochen weithin wallende Aufregung über den Verein kann ich deshalb nun überhaupt nicht nachvollziehen. Mir ist es doch völlig egal, wie der ADAC geführt wird – ob der Vorstand sich mit den Mitgliedsbeiträgen zuhause goldene Wasserhähne einbauen lässt und Hubschrauberflüge zu privaten Zwecken unternimmt; ob irgendwelche Umfragen, an denen ich nicht teilnehme, getürkt werden, weil der Verein mit bestimmten Autoherstellern verbandelt ist – all das interessiert mich überhaupt nicht, solange mein Beitrag nicht erhöht wird. Und sollte der Beitrag erhöht werden, dann würden mich all diese Sachen immer noch nicht interessieren. Das einzige, was mich interessiert, ist die Frage, ob für mich das Preis-Leistungsverhältnis meiner ADAC-Mitgliedschaft noch stimmt. Ich vermute, den meisten anderen ADAC-Mitgliedern geht es ähnlich.

 Die Leute nun, die sich aufregen, haben den prinzipiellen Unterschied zwischen freiwilliger und zwangsweiser Mitgliedschaft nicht verstanden: Weil der ADAC so groß ist und so viele Mitglieder hat, ist er in ihren Augen auch nichts anderes mehr als die anderen, staatlich institutionalisierten Zwangsvereine – und deshalb muss sich die Vereinsführung an irgendwelchen Maßstäben für Anständigkeit und Ehrlichkeit oder so ähnlich messen lassen. Das stimmt aber nicht. Für einen privaten Verein mit seinen freiwilligen Mitgliedern gibt es nur einen einzigen Maßstab: die Zufriedenheit der Mitglieder, die nicht durch Umfragen oder Wahlen ermittelt werden muss. Und genau das scheint all denen sauer aufzustoßen, die sich jetzt selbstgerecht aufplustern. 

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10 Responses to Meine ADAC-Mitgliedschaft

  1. Momo says:

    Du, was der ADAC macht, wird von vielen Autoversicherungen als Zusatzleistung zur KFZ-Versicherung angeboten: Nennt sich Schutzbrief. Auch Autohersteller verkaufen das als Zusatzprodukt mit ihren Neuwagen, da heißt es Mobilitätsgarantie. Im Prinzip ist das aber alles dasselbe. Während Versicherungen ihre Kunden nicht am Straßenrand gewinnen dürfen (Ausnutzung einer Notlage), darf der ADAC das aufgrund seines Vereinstatus. Auch noch okay. Aber dann fing der ADAC an sein Callcenter aufzumachen. Auf einmal hat der bei den Ausschreibungen der Hersteller für die Abwicklung der Mobilitätsgarantien mitgemacht. Und da mit harten Bandagen Verträge mit abgeschlossen. Der ADAC telefoniert z.B. die Mobis von Renault/PSA mit. Und hat denen gegenüber die Ansage gemacht: “Hey. Wenn ihr bei uns unterschreibt, dann kaufen wir direkt 1000 Renaults für unsere Einsatzfahrzeugflotte.” Und so ging PSA dann zum ADAC. Der ADAC mischt mittlerweile seit mindestens 10 Jahren hart im Versicherungs- und Callcentergeschäft mit, zahlt aber weniger Steuern. Weil er keine Versicherung ist, sondern ein Verein. DAS ist das Problem. Ich denk mal, solange der ADAC seine Mobi-Dienstleistungen nur für seine Mitglieder anbietet, ist das mit dem Vereinsstatus okay. Aber mittlerweile muss man sich schon fragen wo der Unterschied ist zwischen dem ADAC und z.B. der Europe-Assistance. Oder der Allianz Global Assistance.

    Hintergrund: Ich arbeite in einem Callcenter einer Versicherung, wir bearbeiten die Schadensmeldungen der Versicherungskunden im Automobil-, Reiserücktritts-, und Medizinbereich. Wir nennen uns mit Stolz “Notrufcallcenter” um uns von den ganzen Drückercallcentern abzugrenzen. Wir machen nichts Anderes als der ADAC, können aber wegen dem Steuervorteil nicht mit den Preisen des ADAC mithalten. Und wir stellen uns mittlerweile die Frage, ob die manipulierte Preisvergabe “Auto des Jahres” jeweils zeitlich mit einer Mobi-Ausschreibung des gewinnenden Autoherstellers zusammenfiel. Du verstehst, woraus ich hinaus will?

    • Zufriedenes Mitglied says:

      Zeig mir einer die 1000 Renault Fahrzeuge des ADAC! Nicht einer Ist in der Flotte der ungefähr 1800 Pannenhilfsfahrzeuge. Ford Opel vereinzelt VW früher mal wenige Fiat.Keine der Versicherungen oder sonstige Institution in dem Bereich macht eine ernsthafte Pannenhilfe schon gar nicht Deutschlandweit flächendeckend.Lediglich Abschleppen vom Ortsansässigen Abschleppunternehmen ist drin ,Fachpersonal fehlanzeige selbst die anderen Automobil Clubs haben vor Jahrzehnten die ernsthafte Pannenhilfe beendet ,da gibt es Deutschlandweit versprenckelt ein paar wenige Pannenhelfer mit ihren PKW´s .Alle anderen ausser der ADAC stellen die Fahrzeuge per Schleppwagen vor die Werkstatt die bei Ausflügen und Urlaubsfahrten am Wochenende zu sind.Da viele neuen KFZ`s ihren Dienst mit defekter Batterie versagen liefert der ADAC mir eine Batterie die entgegen der Meldung in der Presse zum Handelspreis dieser Batterie geliefert und eingebaut wird. Kein anderer hilt dort weiter.Aber was Schreibe ich überhaupt es ist ja Mode über alles sich auszulassen obwohl man weder die Kenntnis , Hintergrundwissen oder sonst irgend etwas vorzuweisen hat.

      • Mario Günther says:

        Mal Jemand der eine objektive Meinung abgibt,DANKE!!

      • Robert says:

        Die übllichen Vorurteile. Assistance-Partner (silberen Flotte) hat ein flächendeckendes Netzt von 1700 Einsatzfahrzeugen und arbeitet für 64% der Versicherungen. Die Abschleppfahrzeuge sind zusätzlich für Pannenhilfe ausgerüstet, meist sogar mit einem Diagnosegerät. Im Sat1 Akte Test vom 04.02.14 war schön zusehen wie ADAC und ACE vorgehen, werben, wenns nicht klappt keine Lust was zu machen. Der Assistance-Partner-Fahrer der für den AVD auflief bekam als einziger das Fzg flott.
        Siehe: http://www.sat1.de/tv/akte/video/der-grosse-akte-pannenservice-test-clip
        Es sitzen zum größten Teil gut ausgebildete Fahrer auf den Schlepp/Pannhielfsfahrzeugen, bestellt man den ADAC kann es sein, dass auch eine externe Firma mit Abschleppwagen (Strassendienst) kommt.
        Ich fahre selbst ein silberenes Abschlepp/Pannenhilfsfahrzeug, die “Erfolgsquote” bei der Pannenhilfe liegt bei uns im Betrieb bei um die 80%, also auch nicht anders wie beim ADAC.
        Dazu hat der Kunde noch einen Vorteil, ist die Karre nicht flott zu bekommen gehts ohne weitere Wartezeit auf einen Abschlepper direkt in die Werkstatt.
        Bei den Batterien hat die Presse recht, die Dinger sind gegenüber den baugleichen Varta ohne ADAC-Label oder den Bosch (kommen aus dem gleichen Werk) deutlich teurer. Da verdient der ADAC, obwohl die das verneinen, richtig Geld dran.
        Zum Post von Momo, Renault ist falsch, die sind bei der AXA-Assistance. PSA ist richtig, aber Karren hat der ADAC dort keine gekauft, die haben einfach die Assistancen unterboten, PSA und Volvo z.B. hatten wir auch mal im System, bei den Pannen die die Kisten haben ist das auch kein Wunder, die Budgets die die Assistancen da anbieten sind halt entsprechend hoch.
        Wenn man sieht, dass ein Ford-Händler von Ford gerade mal 40,-EUR bekommt wenn er ein Kundenfahrzeug selbst einschleppt, weiß man in etwa was der ADAC da an Budget angeboten hat.
        An einen Strassendienst (also externe Firma) die für die abschleppt muss der ADAC aber schon 65,-EUR für einen Einsatz löhnen.
        Ist denen aber egal, bei 19Mio zahlenden Mitgliedern kann man solche gewerblichen Assistance-Leistungen ja mitlaufen lassen, ist ja genug Geld da.

  2. John Jay Sidonia says:

    Bravo. Auf den Punkt gebracht!

  3. Ein zufälliger Besucher says:

    @Momo
    Ich hab da mal gegoogled😉
    Die Mobilitätsversicherung des ADAC wird über die ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG abgeschlossen. D.h. es gibt die von Dir beschriebenen Steuervorteile garnicht, da der Vertargspartner nicht der e.V. ist sondern eine AG. Der Rest ist Wettbewerb!

  4. Andre says:

    Ich bin mir fast sicher das der Schreiberling dieser Seite kein ADAC-Mitglied ist !!! Denn ansonsten wüsste er/sie das es die ADAC-Motorwelt jeden Monat gibt … und auch Preiserhöhungen hat es gegeben , früher kostete der Schutzbrief mal 78 DM … heute mittlerweile 49 Euro !!! Auch die Plus-Mitgliedschaft kostete lange vor der Euroeinführung 139 DM … heute 84 Euro !!! Also immer schön auf dem Teppich bleiben … für mich ist und bleibt der ADAC die einzige Lösung im Pannendienst , egal ob nur in Deutschland oder in ganz Europa …
    Mein Fazit : Toller Text aber leider wohl keine Ahnung !!!

  5. Gutmenschen-Journalisten... says:

    Eins kommt noch hinzu: Jetzt können die linken Journalisten gegen den Autolobbykonzern moppern und bashing betreiben. Diese Gutmenschen haben schon jahrelang immer wieder die Konzernstruktur kritisiert, aber keinen hat das interessiert.
    Klar, Verkrustungen müssen aufgebrochen werden, aber die öffentlich – nicht von den Mitgliedern!!! – geforderte Zerschlagung des ADACs hat nur mit dem Hass auf Autos, Auto-Rennsport und dessen Lobby zu tun.

  6. @Momo
    Zu den Versicherungen ist noch zu sagen, dass diese den Werkstätten, die keine Knebelverträge mit den Versicherungen für Reparaturen abschließen bereits bei der Schadenmeldung in dem Notrufcenter die Aufträge wegnehmen und diese an Ihre unterjochten Werkstätten verteilen, bei denen sie bis zu 15% Selectabzüge vornehmen können und die dann auch noch ein kostenlosen Mietwagen stellen müssen. Würde die Journaille, die gerade versucht den ADAC zu zerpflücken mal bei den Versicherungen graben, bräuchten sie nicht mal so tief grabe:
    1. abgewiesene berechtigte Forderungen
    2. zwingen in Reparaturbetriebe die keiner will
    3. dem Hilfesuchenden im Zweifelsfall mitteilen: bestellen sie sich mal einen Schlepper, von uns kriegen sie 150,00 Euro wieder.
    4. lassen sie ihr Auto da stehen bis die Sache geklärt ist – Standgeld zahlen Sie selbst
    u.v.a.m.!

    Also im Vergleich ADAC : Versicherung schneidet in jedem Falle der ADAC um Längen besser ab!

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