Auch Einbrecher brauchen Schuhe

Unter der Rubrik „Dubiose Deals“ meldet Spiegel Online, dass Philips, der größte Lampenhersteller der Welt, von 2002 bis 2012, also zehn Jahre lang, Lampen an Cannabis-Züchter geliefert habe. Zuerst ruchbar wurde diese unerhörte Tatsache in einer TV-Magazinsendung in den Niederlanden. Und damit nicht genug: Der Philips-Konzernsprecher sah sich daraufhin gezwungen zu bekennen, dass die Lampen zwar nur „indirekt, über Zwischenhändler“ geliefert wurden, dafür aber „in vollem Bewusstsein, an welche Endkunden“ – die bösen Finger – sie gegangen seien. Es sei „nicht illegal“, Leuchten nicht nur einfach an irgendwen, sondern sogar „an Händler mit Verbindungen zur Cannabis-Szene“ zu verkaufen, zitiert Spiegel-Online den Sprecher. Dennoch sei dieser Verkauf aber „etwas, das wir nicht mehr tun wollen“. Spiegel-Online fragt mit selbstgerechter Empörung, warum „diese Erkenntnis“ dem Konzern denn „erst im Jahr 2012“ gekommen sei.

Ich dagegen frage mich, was der Lampenhersteller da „erkannt haben“ soll. Dass man als Lampenhersteller unter gar keinen Umständen Lampen, die jeder Mensch auf dieser Welt wohl noch dringender braucht als eine Zahnbürste und Schuhe, einfach an irgendeinen Großhändler verkaufen darf – weil es schließlich sein kann, dass einige seiner Kunden bereits bei ihren Kaufanstrengungen in Bezug auf Leuchtmittel die Absicht verfolgen, diese Leuchtmittel ausschließlich als Werkzeuge zur Begehung strafbarer Handlungen einzusetzen? Oder dass man als Hersteller von Gegenständen wie Glühbirnen und LED-Leuchten besondere Sorgfalts- und Überwachungspflichten im Hinblick auf die Käuferkette bis hin zum Endkunden hat – wie sie etwa für Waffenproduzenten und Hersteller von Gift und Sprengstoff gelten?

 Genau das scheint mir die Erwartung nicht nur des Spiegel-Online-Autors zu sein, und damit ist er – leider – nicht allein. Der Impuls, Produzenten und Verkäufern von Alltagsgegenständen jedenfalls moralisch, wenn nicht auch noch juristisch die Verantwortung für das aufzubürden, was die Käufer damit anzustellen belieben, setzt offenbar bei immer mehr Menschen immer früher ein. Da dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man Turnschuhhersteller zur Rechenschaft zieht für wendige Einbrecher, die schließlich nur selten barfuß in Häuser einsteigen.

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