Der Euro ist niemandem aufgezwungen worden (I)

Es kommt sehr selten vor, dass man Kinder (oder auch Erwachsene) unter Androhung von Gewalt zum Essen von Schokolade zwingt. Warum ist das so? Erstens, weil zuviel Schokolade im Allgemeinen für gesundheitsschädlich gehalten wird und deshalb wohl kaum jemand auf die Idee käme, hier etwa noch ein Gesetz zu machen, das vorschriebe, soundsoviel Schokolade am Tag zu essen (eine Ausnahme könnte nur für die Schokoladenhersteller gelten, die ein solches Gesetz zwar gerne hätten aber sehr wohl wissen, dass angesichts der herrschenden Meinung zum Thema Schokolade jede dahingehende Lobbyarbeit aussichtslos ist). Zweitens, weil Gesetze, die ja immer Zwangscharakter haben, –  also Menschen dazu zwingen, sich anders zu verhalten als sie es ohne die Gewaltandrohung täten –, in der Regel nicht für das gemacht werden, was Leute ohnehin und gerne und freiwillig tun.

So wäre ein Gesetz, das zum Beispiel jedem Bürger den Befehl erteilte, mindestens einmal im Jahr zu duschen, kaum vorstellbar. Oder auch eines, das vorschriebe, in Wohnungen Lampen anzubringen. Ausnahmen gibt es allerdings auch hierzu, wie zum Beispiel die Vorschrift, dass Autos, die zur Teilnahme am Straßenverkehr zugelassen sind, mit Bremsen ausgestattet sein müssen. Solche Gesetze gibt es zwar; sie dienen aber keinem Zweck außer dem der puren Demonstration staatlicher Macht gegenüber dem Bürger.

 Was hat das alles mit dem Euro zu tun?—Nun, es gibt viele Menschen und Journalisten, und sogar Politiker, die behaupten, der Euro sei den Menschen, die in der EU leben, vom Staat oder von der EU aufgezwungen worden. Diese Behauptung ist falsch. Der Euro ist den Menschen genauso wenig aufgezwungen worden wie ihnen das Schokolade-Essen aufgezwungen wird. Wer immer den Euro als Geld benutzt, benutzt ihn so freiwillig wie er Schokolade isst oder sich – hoffentlich öfter als einmal im Jahr – duscht. Der Euro ist nichts weiter als ein Angebot des Staates an die Bürger, das von ihm herausgegebene bedruckte Papier als Geld zu benutzen. Und die Tatsache, dass niemand mehr die D-Mark als Geld benutzen kann, ist einfach darauf zurückzuführen, dass der Staat das in dieser Weise bedruckte Papier nicht mehr anbietet. Das ist nun kein bisschen anders zu bewerten als, sagen wir, die Entscheidung eines Schokoladenproduzenten, eine bestimmte Schokoladensorte nicht mehr herzustellen oder seinen Betrieb ganz dichtzumachen. Niemand ist dadurch in irgendeiner Weise gezwungen, nun eine bestimmte andere oder überhaupt irgendeine in Geschäften angebotene Schokoladensorte zu essen. Schmerzt es jemanden, dass seine Lieblingsschokolade nicht mehr verkauft wird, ist es ihm unbenommen, entweder seine eigene Schokolade zu produzieren oder jemand anders damit zu beauftragen.

 Das sei falsch, wenden nun die Vertreter der Zwangsthese ein. Schließlich gebe es ein staatliches Geldmonopol, das in der EU sowohl die Herstellung als auch die Verwendung anderen Geldes als dem Euro verbiete. An dieser Stelle erspare ich mir nun lange Ausführungen darüber, was ein Monopol sei und was nicht. Fakt ist: Die Herstellung oder Verwendung anderen Geldes als dem staatlich Angebotenen ist weder in der EU noch sonstwo verboten. Verboten ist allein das Nachmachen, also das Fälschen, von staatlich angebotenem Geld—in Deutschland zum Beispiel nach §§ 146 ff. StGB.

 Dass demnach also jeder völlig legal dasjenige als Geld benutzen kann, was er will – ob Zigaretten, Monopoly-Scheine, Goldmünzen, alte Autoreifen, US $, Kieselsteine, Lippenstifte oder sogar alte DM-Scheine und Reichsmark aus der Inflationszeit, die er gehortet hat – glauben mir nun aber Viele nicht. Sie glauben mir das nicht, weil sie den Zweck der Geldbenutzung nicht verstanden haben.

 Deshalb muss hier nun ein Exkurs über den Zweck der Geldbenutzung folgen: Die einzige Funktion von Geld ist die Erleichterung des Austauschs menschlicher Produktionsleistungen (mit Absicht spreche ich nicht von „Gütern“, weil natürlich auch Massagen und Gesang Produktionsleistungen sind, die zwischen Menschen getauscht werden). Geld ist nichts weiter als ein Tauschmittel, dessen man sich bedient, um sich den Tausch mit Anderen zu erleichtern—damit man nicht ein Schwein schlachten muss, wenn man sich ein Paar Schuhe kaufen möchte aber nicht gut singen kann. Geld ist das einzige Gut am Markt, das nicht um seiner selbst willen (als Konsumgut, wie zum Beispiel Schokolade, oder als Produktionsmittel, wie zum Beispiel ein Großbackofen) erworben wird. Geld wird ausschließlich deshalb erworben, weil man es später gegen Konsumgüter oder Produktionsmittel eintauschen möchte (So tauschten denn auch in der Nachkriegszeit in Deutschland selbst Nichtraucher ihre Leistungen gegen Zigaretten ein.). Aus diesem Grunde nehmen Verkäufer von Leistungen – seien sie nun Masseure oder Bäcker – grundsätzlich nur dasjenige im Tausch als Geld an, von dem sie annehmen, es werde in späteren Tauschhandlungen für Leistungen, die sie dann kaufen möchten, von dem jeweiligen Verkäufer als Geld akzeptiert, also zum Beispiel von dem Schuhverkäufer für ein Paar neue Schuhe. Natürlich finden auch weiterhin geldlose Tauschhandlungen statt: „Sex gegen Geld“ ist eben nur eine Möglichkeit des Tauschs. Vorstellbar ist aber genauso gut „Sex gegen Essen“ oder „Sex gegen Arbeitsvertrag“ sowie zahllose andere Varianten.

 Wenn also Ihr Tauschpartner für den Sex mit Ihnen keine alten Autoreifen oder DM-Scheine als Bezahlung akzeptiert, dann liegt das einzig und allein daran, dass er es nicht will. Bieten Sie jemandem Ihre alten Autoreifen gegen Sex an, dann wird wahrscheinlich kein entsprechender Vertrag zustande kommen. Das liegt aber nicht daran, dass der Staat Sie zwingt, in Euro zu bezahlen, sondern dass Ihr Tauschpartner weder alte Autoreifen schleppen und einlagern möchte, noch deren Qualität beurteilen kann, und er also nicht weiß, ob er die Reifen für mehr Geld in Euro wird eintauschen können, als er Ihnen sonst für seine Dienstleistung berechnet hätte. Mit anderen Worten: Die Verwendung eines anderen Geldes als dem von der Mehrzahl der Menschen Verwendeten ist für die meisten nicht praktikabel. Das ist der einzige Grund, weshalb alte Autoreifen, DM-Scheine und Goldmünzen nicht als Geld akzeptiert werden.

 Was kann man nun denjenigen Anhängern der Zwangsthese entgegnen, die sagen: „Ja, das alles mag ja stimmen, aber schließlich hat der Staat uns sehr wohl gezwungen, statt der D-Mark nun Euro zu verwenden!“ Nein, er hat uns, wie bereits gesagt, nur sein Angebot über D-Mark als Geld entzogen, weil er keine D-Mark-Scheine mehr produziert. Es hat aber keiner einen Anspruch gegen den Staat auf das Angebot von in bestimmter Weise bedrucktem Papiergeld—genauso wenig, wie er einen Anspruch gegen den Schokoladenproduzenten auf fortlaufende Herstellung seiner Lieblingsschokolade hat.

 Eine andere Frage ist, ob die D-Mark ein „besseres“ Geld war als der Euro, ob also die vielen Aufrufe zu einer „Rückkehr zur D-Mark!“ überhaupt irgendeinen Sinn ergeben. Diese Frage –und noch einige andere Themen – werde ich in einer weiteren Folge meiner Artikelserie zum Thema Euro erörtern – demnächst hier auf meinem Blog.

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20 Responses to Der Euro ist niemandem aufgezwungen worden (I)

  1. Richard says:

    Der beschriebene Naturaltausch als Beleg gegen die Zwangsthese funktioniert im nicht gewerblichen Verkehr (Herr A, Herr B) durchaus. Doch im gewerblichen Verkehr (Herr A als Kunde von Firma B; oder Firmen untereinander) eben leider nicht mehr: Versuchen Sie mal, eine Bäckerei zu eröffnen und Ihre Brötchen gegen Gold, Kieselsteine oder Lippenstifte zu verkaufen. Allein aus Gründen des Steuerregimes (Umsatz- und Einkommenssteuer etc) wird der Staat Ihnen dies verbieten. Insofern wird das “gesetzliche Zahlungsmittel” Euro den Bürgern und ihrer Wirtschaft natürlich doch aufgezwungen, leider. Wenn auch, ja, durch die Hintertür.

  2. ziessler says:

    Welchen Einfluss die Besteuerung in Euro auf seine Akzeptanz als Geld im Geschäftsverkehr hat, werde ich ebenfalls in einem der nächsten Artikel zum Thema behandeln.

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 23. September 2011 | Die Börsenblogger

  4. Hilger Greve says:

    Ich weiß nicht, ob es an einer unterschiedlichen Gesetzgebung in den USA liegt oder an “Formfehlern” NotHaus’ (Dollarzeichen), aber der Mann hat gehörigen Ärger bekommen für seine Alternativwährung:
    http://ef-magazin.de/2011/04/06/2947-waehrungszwang-verwende-den-dollar-sonst-setzts-was
    Wie auch immer, wie so oft und auch bei uns: Für ein gegenüber dem Staat wehrhaftes, zivil ungehorsames Kollektiv ist Staatswährung ein Angebot, für ein abweichlerisches Individuum in einem Schafskollektiv, ist es praktisch Zwang, so schön ihr Gedanke auch sein mag.

  5. Philipp says:

    Hallo Eva,

    ich bin ein wenig erstaunt über diesen Artikel, denn das ganze wird entgegen Deiner Aussage sehr wohl klar im Gesetz geregelt.
    Und sowohl die Ausgabe, als auch die Annahme von anderem als staatlichem Zwangsgeld ist bei hoher Strafe verboten:

    http://norm.bverwg.de/jur.php?bbankg,35

    Gesetz über die Deutsche Bundesbank

    § 35 Unbefugte Ausgabe und Verwendung von Geldzeichen

    Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft,

    1. wer unbefugt Geldzeichen (Marken, Münzen, Scheine oder andere Urkunden, die geeignet sind, im Zahlungsverkehr an Stelle der gesetzlich zugelassenen Münzen oder Banknoten verwendet zu werden) oder unverzinsliche Inhaberschuldverschreibungen ausgibt, auch wenn ihre Wertbezeichnung nicht auf Euro lautet;

    2. wer unbefugt ausgegebene Gegenstände der in Nummer 1 genannten Art zu Zahlungen verwendet.

    (2) Der Versuch ist strafbar.

    (3) Handelt der Täter in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen.

    • ziessler says:

      Lieber Philipp,
      in Deutschland gibt es wahrscheinlich mehrere zehntausend Straftatbestände, die nie zur Anwendung kommen und die, im Falle, dass irgendein blöder Staatsanwalt mal auf die Idee kommen sollte, sie aus der Kiste zu ziehen, vom Gericht sofort für verfassungswidrig erklärt werden (der tatsächliche Vorgang ist komplizierter). Eine Anklageerhebung nach § 35 Bundesbankgesetz wird es, außer im verschärften Bürgerkriegs- oder Kriegsfall niemals geben – und im Ausnahmezustand ist das Gesetz sowieso egal. Wie schon Carl Schmitt sagte “Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand verfügt.”
      Warum gibt es solche Gesetze?—Weil in den Ministerien jede Menge gut bezahlte aber unterbeschäftigte Juristen rumsitzen, die auch mal auf Partys erzählen wollen, dass sie ein neues Gesetz formuliert haben – oder ein bestehendes verbessert.
      Zu solchen Gesetzen findet man deshalb auch in den Kommentaren nichts, es sei denn, irgendein von der Max-Planck-Gesellschaft finanzierter Doktorand weiß nicht, was er will und promoviert dann zufällig mal zum Thema “Die Strafbarkeit von Regionalwährungen nach § 35 Bundesbankgesetz unter besonderer Berücksichtigung des Blablabla”. Das findet dann auch gnädige Aufnahme in den Kommentar.
      Und so kommen dann Gesetze zustande, die noch nichtmal dem Bestimmtheitsgebot genügen und von der Rechtssystematik her katastrophal sind. Kein Mensch weiß, was das heißen soll („Geldzeichen…die geeignet sind, im Zahlungsverkehr anstelle der gesetzlich zugelassenen…verwendet zu werden“). Was heißt „geeignet“? Was heißt „anstelle“? usw. Jeder nicht total vertrottelte Jurist ignoriert solche Gesetze. (Lies Dir mal spaßeshalber Art. 15 GG durch.).
      Du kannst also ganz beruhigt versuchen, all Deine zukünftigen Tauschhandlungen in $ US, $ Zimbabwe, Kieselsteinen aus Deinem Garten, alten Silbermünzen oder Autoreifen vorzunehmen, ohne dass Du befürchten musst, es mit der Staatsanwaltschaft zu tun zu kriegen. Das Problem wird nicht der Staatsanwalt, sondern Dein Tauschpartner sein, der die Dinger (außer dem US Dollar) partout nicht für im Zahlungsverkehr geeignete Geldzeichen halten wird. Und sollten irgendwelche Staatsorgane mal aus irgendwelchen Gründen gegen Bitcoin und Regionalgeld vorgehen wollen, dann werden sie ganz sicher nicht auf dieses obskure Gesetz zurückgreifen, sondern schlicht auf den § 263 StGB, Betrug. Darunter kriegt man das immer subsumiert—und spart sich jede Menge Scherereien!
      Viel wichtiger aber ist – und darauf werde ich in einem späteren Beitrag noch eingehen – dass es dem Staat letzten Endes völlig egal ist, was die Bürger als Geld benutzen. Sein einziges Interesse ist es, jeden Leistungsaustausch der Bürger zu besteuern. Und wenn Du Dich für irgendeine Leistung in Gold bezahlen lässt, ist das einzige, was den Staat interessiert, ob Du das bei der Steuererklärung angibst. Das Umrechnen ist kein Problem.

      • Danny Wilde says:

        “… das Umrechnen ist kein Problem.”

        Und das ist der Knackpunkt. Denn diese richtige Aussage bestätigt ja, dass der Euro, eben weil er der Umrechnungs-Maßstab ist, auch das de-facto-Zahlungsmittel ist, dessen wir uns ja NICHT erwehren konnten.

        Ich möchte es mal aus der Sicht des Marktes betrachten. Ich kenne etliche Leute, die bei Euro-Einführung extrem skeptisch waren (mich eingeschlossen). Bzw. die bereits bei dem Fixen fester innereuropäischer Wechselkurse extrem skeptisch waren. Die wohlbegründet darlegen konnten, warum das NICHT funktionieren kann. Darunter waren ja nicht wenige einflussreiche Persönlichkeiten oder marktorientiere Unternehmer, Gruppen und Konzerne.

        Und dennoch haben sie lieber die Möglichkeiten dieser Einheitswährung genutzt, anstatt z.B. Banken zu gründen, die einen Zahlungsverkehr außerhalb des Euros ermöglicht hätten. Und der Bürger hatte eben keine Wahl. Nicht, wenn er seine gut eingespielten (Tausch)-Zahlungsinfrastrukturen beibehalten wollte (wie z.B. sollten wir als Kassenarztpraxis ohne Euro abrechnen, wo die Zahlungswege über die regionalen KVen minutiös vorgeschrieben und JEDWEDE anderweitige Entlohnungen ansonsten kassenärztlich abgedeckter Leistungen VERBOTEN sind, solange nicht der Patient von sich aus darauf besteht?).

        Und er hatte auch deswegen keine Wahl, weil er wohlweislich nicht gefragt worden ist. Der Staat ist eben in Europa noch weniger ein Dienstleistungspartner des Souveräns als in Amerika, wo wenigstens ab und zu an Straßenbaustellen Schilder stehen mit “Hier arbeiten Ihre Steuergelder”.

        Und Ihr Schokoladenvergleich hinkt auch. Im Falle des “Druckpapier-Angebotes” des Staates sollte hier eher statt eines Luxusproduktes die Essenz gewählt werden, also Wasser. Das fließt ja aus unseren Wasserhähnen, bisher mehr oder weniger chloriert, fluoriert, entkalkt, gereinigt. Wir können mit diesem Wasser vieles tun, schwimmen, baden, duschen, kochen, trinken, Leute nassspritzen.

        Jetzt kommen Sie und sagen, wenn der Staat verfügt, dass sämtliches öffentlich zur Verfügung gestellte Wasser einheitlich z.B. salzig sein soll, ist der Endverbraucher trotz fehlender Alternativen eben gerade nicht gezwungen, dieses Produkt abzunehmen. Er könnte sich ja anderes Wasser besorgen. Abgesehen davon, dass er dennoch seine kommunalen Beiträge zu entrichten hätte und seine Steuergelder eine für ihn nutzlose Infrastruktur finanzieren würden, tun wir mal so, als ob hier KEIN Wasser vom Himmel fiele und KEINE Flüsse, Bäche oder Quellen an jeder 2. Ecke auf unser Eimerchen warteten. OK? Dann sind wir wieder beim Tauschmittel Geld (Staatswasser) oder Gold (seltenes staatsfreies Wasser). Und der Erkenntnis, dass bei allem freiheitlichen Denken (und, ach!, Ihr Artikel IST so wunderbar zu lesen! Ein Traum!) in der Realität kaum jemand eine Wahl hatte.

  6. Ich brech’ so was von ab … Eva hat mal wieder tausende von Seiten jammerlappiger Elaborate mit ein paar Sätzen in den Orkus gespült.

  7. Martin says:

    Der Dank gebührt Eva Ziessler darauf hingewiesen zu haben, dass wir immer eine Wahl haben. Viele Dinge sind nur deshalb so, wie sie sind, weil wir sie stillschweigend akzeptieren. Das ist auch beim Euro nicht anders. Es lohnt doch immer wieder auf die wesentlichen Grundzusammenhänge hinzuweisen. Machen wir sie uns bewusst, sind wir deutlich weniger anfällig für gedankliche Verunreinigungen aus Richtung Politik, Medien oder seitens mancher (Mainstream-) Ökonomen.

  8. Milfweed says:

    Könnte man dies analog auf die gesetzlichen Sozialversicherungen übertragen?

    Ich hätte da mal ganz ernst eine Frage, die mich schon länger beschäftigt. Vielleicht lesen ja hier Juristen mit. Ich will mich als “Arbeitnehmer” bewerben, in Deutschland. Wie man weiß, wird einem die Hälfte des Lohnes weggenommen (Steuer zur Einfachheit mal ausgenommen). Was ist, wenn ich aber eh vorhabe in 5 Jahren bspw. auszuwandern und ich nicht einzahlen will in die Sozialversicherungskassen?

    Gehen wir (um die Rechnung einfach zu machen) von 2000 € Brutto aus, 1000 € Netto. Ich biete meinen Arbeitgeber an, mir nur 1500 € zahlen zu müssen (was mich gleich noch wettbewerbsfähiger zu anderen Bewerbern und Mitarbeitern macht und er spart 500 € pro Monat). Natürlich sind die 1500 € sowohl Brutto als auch Netto (wass für mich ebenfalls 500 € Plus macht).
    Mit welchem rechtlichen Konstrukt könnte man das bewerkstelligen? Ich gründe ein Einmann Unternehmen und mein “Arbeitgeber” geht mit diesem Unternehmen einen stinknormalen Vertrag ein, aber ich habe da quasi die Funktion eines Mitarbeiters?!
    Ich würde ihn sogar fristlose Kündigung anbieten und weitere Nützlichkeiten (unbezahlte Überstunden), die der Staat uns verwehrt. Mensch, ich wäre ein simpler Mitarbeiter😀

    • Danny Wilde says:

      Was Sie hier entwickeln, nannte sich bis 1999 Freelancer (so habe ich selbst bis dahin immer gearbeitet). Dann kam Schröder, der Freelancer wurde “Scheinselbständiger” genannt und die “scheinselbständige” Tätigkeit zur Straftat.

      Sie und ich als freie Anbieter erstklassiger Arbeitsleistung bräuchten also einen DeLorean mit Flux-Kompensator.

  9. Mir schwant, hier ein typisches Exempel struktureller Gewalt vor mir zu haben, welches die Konservativen einst vehement abstritten, als Linke und Grüne (also ebensolche Politiker) dies – in anderem Zusammenhang – vortrugen.

    Ganz praktisch: Wer in seinem Laden die Preise nicht in Euro inkl. Mehrwertsteuer angibt bekommt Probleme. Mit dem kommunalen Gewerbeaufsichtsamt wegen der Preisangabenverordnung. Mit dem “Wettbewerb” wegen der staatlich sanktionierten Möglichkeiten der Abmahnung. Und mit dem Finanzamt, wegen der dort einschlägigen Verstöße.

    Es braucht heute keinen Polizisten mehr, der mit vorgehaltener Pistole zum Euro zwingt. Insofern hat Eva Ziessler Recht. Nur: Auch das gibt es: Eine papiergesetzes-kundige Angestellte im öffentlichen Dienst betritt meinen Laden. Sie zeigt auf ein Angebot und wünscht in Euro zu bezahlen. Sie ruft die “demokratisch legitimierte” Polizei und setzt ihr Interesse durch. Mit Gewalt.

  10. Philipp says:

    Ich muss auch noch einmal sagen, dass ich das Argument, ein Gesetz sei alleine deshalb nichtig, weil es befolgt wird, sehr schwach finde.
    Es ist ein Gesetz in Deutschland, dass man eben KEINE Alternativwährungen anbieten darf. Das ist ja auch der Grund, weshalb all die lustigen kleinen Regionalwährungen sich Tauschringe und nicht Taler nennen. Und auch die könnten mit Leichtigkeit verboten werden. Der einzige Grund, weshalb das nicht getan wird, ist der, dass es den Behörden zuviel Arbeit für so eine Kleinigkeit wäre. Solange die Tauschringe klein bleiben, werden sie geduldet, aber wehe, sie haben Erfolg.

    Es ist ebenfalls verboten, Atombomben zu zünden und ebenfalls ist das noch nie vorgekommen. Das heißt aber nicht, dass man nicht verurteilt würde, wenn man das täte.

  11. John Galt says:

    Das Institut für Wertewirtschaft http://www.wertewirtschaft.org bietet seit Jahren seine Dienstleistungen in Gold oder Silber an. Notfalls nehmen sie aber auch bunte Papiereuronen😉

    z.B. 1 Silberzehner / 2 Silberfünfer bzw. 12 Euro in Papier.

  12. Ken Meisen says:

    Wieder Mal ein bedenkenswerter Artikel. Meine Überlegung dazu wäre: Nur eine Währung ist als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen – in unserem Fall der Euro. Das bedeutet, dass diese Währung das staatlich garantierte Privileg hat, dass man sie im Zahlungsverkehr annehmen muss (während man andere Währungen ablehnen kann). Solange der Euro also eine gewisse Vertrauensschwelle noch nicht unterschritten hat, ist er derart in den Vorteil gesetzt, dass man durchaus von einem staatlichen Monopol sprechen kann. Auf diese Weise wird nämlich innerhalb des Euro-Währungsraumes die Nachfrage nach dem Euro gewährleistet, da jede andere Währung ja vom Zahlungspartner abgelehnt werden kann. Erst wenn die Vertrauensschwelle unterschritten wird, der Euro also im Vergleich zu anderen Währungen signifikant an Wert verliert, löst sich dieser Vorteil in Luft auf.
    Und eine Ergänzung zur Vertrauensschwelle: Das Vertrauen in den Euro ist primär bedingt durch das Vertrauen in den Staat, der den Gebrauch dieser Währung vielleicht nicht im Wortsinne erzwingt, aber nahelegt und gesetzlich privilegiert.

    • Stefan says:

      “…der den Gebrauch dieser Währung vielleicht nicht im Wortsinne erzwingt, aber nahelegt und gesetzlich privilegiert.”
      Man braucht nicht über etwas zu spekulieren, was man wissen kann. Selbstverständlich würde der Gebrauch des Euros auch erzwungen werden. Es käme letzten Endes – und viel schneller als man es glauben mag – auch die Polizei, um ein Kaufbegehren in Euro auch durchzusetzen. Beachen Sie die Preisangabenverordnung – in Euro – nicht, kommt ein Bußgeld und bei anhaltender Renitenz wird ihnen die Polizei den Laden zu machen. Punktum. Und nur weil unzählige Vorfeldzwänge wirksam sind, so daß es zum Letzten gar nicht über der Wahrnehmungsschwelle kommt, ist es nicht gerechtfertigt, den Begriff Zwang zu entfernen und von einer Selbstverständlichkeit zu sprechen. So sehr ich Frau Ziesslers Ausführungen schätze, hier liegt sie insofern daneben. Trotzdem ist ihre Beobachtung bemerkenswert. Denn sie macht deutlich, mit welch ungeheurem Geschick, mit welcher Menschenkenntnis und obszönem Herrschaftswissen regiert wird, daß man es tatsächlich schafft, die ja erheblichen Kosten direkter Gewaltanwendung durch geeignete Vorfeldzwänge und Vorfeldmanipulationen sehr weitgehend einzusparen. Das fängt nicht erst bei der Postulation einer Schulpflicht (Kindergartenpflicht) im Lebensverlauf an, sondern schon bei der Geburt, bei der das papiergesetzliche Gesundheitssystem den Rahmen der breiten Masse vorgibt. Und auch hier wird in Monopolwährung Euro bezahlt. Ganz ohne physischen Zwang übrigens: Der hat bereits bei der gesetzlichen Krankenversicherung angesetzt. “Willst Du Gehorsam, so befehle”, meinte einst Churchill. Doch der Umstand, daß so eifrig gehorcht wird, heißt nicht, daß Zwang nicht angewendet würde. Und wo die Anwendung von Zwang erwartet werden muß, ist es naturgemäß mit jeder Freiwilligkeit vorbei.

  13. erwin reich says:

    ihr habt sie doch nicht mehr alle… nur Propaganda… wir dürfen nicht mal über unser eigenes Geld entscheiden und dann heißt es er wurde niemandem aufgezwungen und der vergleich mit dem duschen oder schokolade stammt wahrscheinlich aus dem munde einer dieser Volksverräter, der sofort alle in die rechte Schublade steckt, sobald man etwas in der Politik zurecht kritisiert. seit der Einführung des Euros habe ich nicht einen Euro – Befürworteter kennen gelernt; und woran liegt das? bestimmt daran, weil wir den Euro so dringend wollten. NEIN! das hat man auch bei der Einweihung der EZB gesehen! die deutschen wollen die Mark!
    Die Politiker in Deutschland (ich würde schon fast Deutsch – Gmbh sagen, ohne die ganz Europa zusammen brechen würde) dienen der wirtschaft von Europa und in keinstem Fall dem deutschen Volke! Es kann nicht sein dass die Probleme von Europa auf dem Rücken der Deutschen ausgetragen werden!

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