Gesetzliche Waffenverbote oder: Wenn Dinge töten könnten

Aus aktuellem und fürchterlichem Anlass hier nochmal meine Geschichte, die schon vor über zwei Jahren auf der Achse des Guten erschienen ist. Unredigiert. Damit jeder sehen kann, dass dieselben Überlegungen ihre Gültigkeit behalten, dass die Argumente zeitlos sind. Und dass wir kollektiv dem Irrsinn anheimfallen, wenn wir meinen, das Problem mit dem gesetzlichen Verbot von Waffen und von “rechten” Blogs aus der Welt schaffen zu können:

“Sydney. Australien. Plötzlich war sie tot: Mann erstach seine Ehefrau mit Sushi-Messer. Derartige Angriffe sind auch in Deutschland denkbar—der Handel mit den extrem scharfen Messern ist nicht reglementiert.“—So hätte die Meldung lauten können, oder auch so: „Cleveland, Ohio. Frau blendete Autofahrer mit Kosmetikspiegel. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern. Auch in Deutschland könnte so etwas vorkommen— der Handel mit den extrem blendenden Spiegeln ist nicht reglementiert.“ Oder auch: „Buenos Aires. Argentinien. Gastgeberin tat Entkalkungsmittel in die Bowle. Alle Gäste mussten wegen Verätzungen der Speiseröhre behandelt werden. Derartige Angriffe sind auch in Deutschland denkbar—der Handel mit den ätzenden Entkalkungsmitteln ist nicht reglementiert.“…

Tatsächlich ging es in dem Artikel (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,544807,00.html ) um „Laserpointer“, mit denen australische Flugzeugpiloten im Landeanflug von irgendwelchen Irren geblendet worden waren. Authentisch ist allerdings der Jammer der Autorin über die bedauerliche Tatsache, dass „derartige Angriffe“ auch in Deutschland „denkbar“ seien, da eben „der Handel mit den gefährlichen Gegenständen nicht reglementiert“ sei. „Denkbar“ ist ja nun Vieles im Leben. Im Gegensatz zu den Angreifern scheint es der Autorin allerdings an Phantasie zu mangeln.

Denn fast jeder Gegenstand und selbst „natürliche“ Dinge wie Äste und Steine können als gefährliche Waffen eingesetzt werden. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Sogar mit einem Daunenkopfkissen kann man jemanden ersticken. Und mit Hilfe von vier Paketmessern ist es möglich, wie wir inzwischen erfahren haben, mehr als dreitausend Menschen zu ermorden und zwei Großstädte zu verwüsten. Der Autorin fällt aber gar nichts ein oder auf—außer dem Ruf nach der starken Hand der Staatsmacht, die „den Handel reglementieren“ soll. Warum ruft sie dann nicht dazu auf, auch den Handel mit Daunenkopfkissen, Absatzschuhen (damit kann man jemandem das Auge ausstechen!) und Küchenmessern zu reglementieren?

Vermutlich wegen ihrer begrenzten Phantasie. Weswegen ihr auch die Tatsache entgangen sein dürfte, dass nicht der freie Handel mit Gegenständen das Problem ist, sondern die Menschen, die irgendwelche allgemein gebräuchlichen Gegenstände auf eine bestimmte Weise benutzen, weil sie Andere verletzen wollen. Und ebenfalls entgangen ist ihr anscheinend auch, dass sich Menschen, die absichtlich Andere verletzen,— mit Hilfe welcher Gegenstände auch immer— strafbar machen. Nein, es ist ihr nicht entgangen, denn sie schreibt sogar selbst, dass in Australien „Laserattacken auf Flugzeuge mit zwei Jahren Haft und Geldstrafen bis zu 20.000 australischen Dollar geahndet werden“. Es ist merkwürdig: Wie kann sie dann die Reglementierung des Handels mit Laserpointern durch den Staat fordern, obwohl sie weiß, dass Laserattacken auch in Deutschland schon strafbar sind?

Hier offenbart sich ein tiefer liegendes Problem: Unsere Empfindung von Ohnmacht in einer nicht perfekten Welt, einer Welt nämlich, in der es Unfälle gibt und Menschen, die Andere verletzen wollen und das auch erfolgreich tun. Und unser Wissen darum, dass selbst die Androhung höchster Strafen niemals alle Verbrechen verhindern wird.

Die Frage ist nur, wie wir mit dieser Einsicht, dem Freudschen Realitätsprinzip, umgehen. Wir können es machen wie unsere Autorin und unsere Politiker: Wir können Gegenstände tabuisieren, oder, wie die Ethnologen es nennen, in eine magisch-animistische Weltsicht zurückfallen. So wie kleine Kinder, die schon mal einen Tisch treten, an dem sie sich gestoßen haben und dann zu ihren Eltern laufen und verlangen, dass der Tisch bestraft wird. Das ist die infantile Variante, die unsere Journalisten und wir und unsere Politiker immer wieder zu bevorzugen scheinen. Als Robert Steinhäuser in Erfurt fast zwei Dutzend seiner Mitschüler erschossen hat, haben wir das Waffengesetz verschärft.

Und die reife, nicht-magische Weltsicht? Wie sieht die aus?—Wir finden uns damit ab, dass die Welt nicht perfekt ist, dass es immer eine –kleine- Zahl von Menschen geben wird, die Verbrechen begehen, deren Opfer auch wir oder unsere Familien sein können, dass auch wir einen Autounfall haben oder an Krebs erkranken können, und, vor allem, dass es keinen Medizinmann oder Vater Staat gibt, zu dem wir laufen können und der wüsste, wie solche Geschehnisse in Zukunft zu verhindern sind. Nach diesem, dem nicht-infantilen Prinzip, haben einige amerikanische Bundesstaaten nach den diversen Universitätsschießereien gehandelt: Sie haben die Waffengesetze ENTSCHÄRFT, sodass jetzt Jeder auf dem Campusgelände verborgene Waffen tragen darf. So ist keiner mehr einem Amokläufer hilflos ausgeliefert. Und ein potentieller Amokläufer weiß schon vorher, dass möglicherweise er selbst das Opfer wird—weil die anderen zurückschießen könnten.

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4 Responses to Gesetzliche Waffenverbote oder: Wenn Dinge töten könnten

  1. G.K. says:

    Hallo Eva, diesen schönen Artikel habe ich ebenfalls auf Liberales Waffenrecht, unter Deinem Namen und Link zu Deiner Webseite veröffentlicht.

  2. Schmitz says:

    Vollig richtig Gesetzliche Waffenverbote können keine Amokläufe verhindern, oder Straftaten mit Waffen einschränken, sondern bewirken das Gegenteil.

  3. Feinde entwaffnet man, nicht Freunde. Deshalb entwaffnet der Staat den Bürger.

    Carsten

    http://www.cicero.de/karikaturen/das-dilemma-der-freiheitlichen-gesellschaft

  4. Gastkommentator says:

    Ein Waffenverbot wird häufig mit dem Gewaltmonopol des Staates begründet. Wie wir alle wissen, bedeutet Monopol, dass es einen alleinigen Anbieter gibt. Was ist aber zu tun, wenn die Nachfrage nach existentiellem Schutz von Leib, Leben und Eigentum größer ist als das zur Verfügung gestellte Angebot seitens des Staates? Da wir hier von existentiellen Risiken sprechen, wird kein Weg daran vorbeiführen, das Angebot an Schutz durch den legalen Besitz von Waffen zu vergrößern. Dass diese Überlegungen in manchen Bevölkerungskreisen auf Widerspruch stoßen, lässt sich nur durch die jahrzehntelange Aberziehung der Eigenverantwortung seitens des Staates zurückführen.

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