Freiwillige Teilnahme

Letzte Woche hatte ich einen Brief von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt im Briefkasten, mit der “Bitte um Mithilfe” bei der Erhebung von Daten für den Hamburger Mietenspiegel. Ich mußte laut lachen, als ich den folgenden Satz im zweiten Absatz des Anschreibens las: “Die Teilnahme an dieser Befragung ist selbstverständlich freiwillig.”–Das ist nun natürlich eine Lüge. Richtig hätte es heißen müssen: Die Teilnahme ist AUSNAHMSWEISE freiwillig.

Bei keinem anderen Behördenschreiben ist nämlich die “Teilnahme” jemals freiwillig, statt dessen die Weigerung teilzunehmen immer mit einer Bußgeldandrohung bewehrt. In der letzten Zeit hatte ich unter anderem das Vergnügen der “selbstverständlich unfreiwilligen” Teilnahme an: Mikrozensus (3 Jahre lang einmal pro Jahr ausführlich Auskunft über alle Lebensumstände geben), GEZ und NDR (die beide einmal im Jahr von mir wissen wollen, ob ich nicht inzwischen doch einen Fernseher habe), Installation von zwei Rauchmeldern in meiner Wohnung (die ich nicht haben wollte), was neben dem jährlichen Heizungsablesetermin zu einem zweiten jährlichen Termin, nämlich dem Batterieaustausch in den Rauchmeldern führt.–Bei Heizung und Rauchmeldern tritt unsere bußgeldandrohende Behörde uns gegenüber nicht persönlich und im eigenen Namen in Erscheinung: Das hat sie mit legislativ abgesicherter Gewaltandrohung an die Hauseigentümer delegiert, die hier zu staatlichen Vollstreckungsorganen gemacht worden sind. Oh, und natürlich zieht die Abwesenheit des Mieters zu den immer kurzfristig angekündigten “Serviceterminen” eine Strafe nach sich, die praktischerweise der Vermieter gleich vom Konto einzieht.

Auf soviel Freiwilligkeit im Leben kann man doch nur noch einen trinken!

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10 Responses to Freiwillige Teilnahme

  1. Rauchmelderfreund says:

    Frau Ziessler, was haben Sie gegen Rauchmelder. Ist Ihnen nicht bewusst, dass diese kleinen Dinger Leben retten (können) ? Und das mit dem Batteriewechsel ist ganz einfach: Heizungsablesung und Wartung der Rauchmelder wird zu einem Termin zusammengelegt. Klappt zumindest dann bestens, wenn es ein und dieselbe Firma macht.
    Ausserdem: Sie können sich nicht gegen eine Montage wehren. Auch wenn sie sie nicht “haben wollen”. Laut Hamburgischer Bauordnung ist die Bestückung der Wohnungen mit Rauchmeldern seit Dez. 2010 PFLICHT.
    Und das völlig zu recht. Ob sie es glauben oder nicht….

    • Steuernagel says:

      Hallo, @ Rauchmelderfreund,
      Sie schreiben “Sie können sich nicht gegen eine Montage wehren”, und das finden Sie auch okay.
      Ich vermute mal, Sie gehören zu den zahlreichen deutschen Untertanen, die fest daran glauben, dass der Staat Ihnen in jeder Lebenslage vorschreiben muss, was sie zu tun oder zu lassen haben. Zum Beispiel im Auto einen Gurt anlegen, auf dem Fahrrad einen Helm zu tragen, GEZ-Gebühren zu zahlen, auch wenn man taub und blind ist, oder Energiesparlampen zu benutzen – etc etc. . . Zuwider- oder Nichthandeln wird selbstverständlich betraft.
      Aber vielleicht sind Sie auch bloß einer der Rauchmelder-TÜV-Prüfer, der kontrollieren muss, ob alles bei mir seine vorgeschriebene Ordnung hat?

    • Gastkommentator says:

      Auch wenn Sie Ihren Beitrag schon vor einiger Zeit gepostet haben, erlaube ich mir einen Kommentar. Warum muß uns eigentlich alles staatlicherseits vorgeschrieben werden? Traut uns eigentlich niemand zu, dass wir selbst denken können? Natürlich sind Rauchmelder eine nützliche, manchmal sogar lebensrettende Einrichtung. Um das zu wissen, brauche ich aber keine Behörde. Warum lässt man uns nicht das entscheiden, was wir für richtig halten? Natürlich mit allen Konsequenzen.

  2. Stefan says:

    Ich denke, dass Sie sich nicht wirklich mit dem Thema Rauchmelder beschäftigt haben.
    Meine Schwiegermutter hatte sich gegen die (von mir installierten) schrecklichen Dinger auch gewehrt. Als die beim ersten Mal auslösten war ihre größte Sorge, dass die Nachbarn das Ding hören könnten. Beim zweitem Mal bedankte Sie sich dafür, dass ich ihr das Leben gerettet habe. Die Pflicht zur Montage war überfällig. Soviel Staat darf sein. Die Dinger sind mehr als nur sinnvoll.

  3. Reiner Steppkes says:

    Nein, soviel Staat darf nicht sein! Jeder freie Bürger muss für sich selbst entscheiden können, ob er sich selbst gegen bestimmte Gefahren schützen will oder nicht. Das gilt nicht nur für Rauchmelder, die ich übrigens ganz freiwillig und einsichtig im Haus installiert habe, als auch für Motorradhelm und Anschnallgurt. Was wir am wenigsten brauchen, ist ein Staat, der uns aufzwingen will, was für uns gut ist. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Ich muss als Einzelner das absolut freie Entscheidungsrecht darüber haben, was ich mit meinem Leben und meiner Gesundheit mache. Wenn man den Gedanken des staatlich verordneten Selbstschutzes weiter ausdehnt, müsste das Rauchen und der übermäßige Alkoholkunsum ebenso verboten sein wie einige gefährliche Sportarten, die Völlerei und der Bewegungsmangel. Einfach absurd!
    Primäre Aufgabe des Staates wäre es allerdings, wesentlich härter gegen Kriminalität und schwere Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung vorzugehen, um unschuldige Opfer besser zu schützen und rechtlich besserzustellen.

    • Steuernagel says:

      @ Reiner Steppkes
      Sie haben völlig recht. So müßte es sein, doch so ist es leider nicht. Weil die meisten Deutschen an die Allmacht des Staates und vor allem an seine große Güte glauben.
      Da kann ich nur sagen: Ach, du meine Güte!

    • Andre Ulrich says:

      Ich finde es absolut unverantwortungslos, wenn gegen eine Rauchmelderpflicht öffentlich mobil gemacht wird, weil jemand sich nichts vom Staat vorschreiben lassen will.
      Wie Sie sicher selbst schon bemerkt haben, gibt es in Deutschland viele Menschen, die nicht Ihr geistiges Niveau haben und auch nicht Ihren Protest gegen alles, was der Staat entscheiden will, teilen.
      Natürlich soll jeder das Recht haben, selbst darüber zu entscheiden, was er mit seinem Leben und seiner Gesundheit anstellt, das gibt Ihnen aber nicht das Recht, mit Tempo 150 durch eine geschlossene Ortschaft zu fahren, weil Sie selbst entscheiden wollen, ob und wie Sie beim Autofahren sterben.
      Und auch der Mieter unter Ihnen sollte nicht das Recht haben, zu entscheiden, dass Sie massive gesundheitliche Schäden davontragen oder vielleicht sogar sterben, weil er besoffen mit einer Zigarette in der Hand einschläft und seine Wohnung komplett in Brand steckt.
      Wenn er nämlich, weil er sich durch Parolen wie die Ihre “Ich lasse mir nichtsvorschreiben!”, keinen Rauchmelder angebracht hat und Ihre Familie dadurch zu schaden kommt, Ihr Kind vielleicht stirbt, wem geben Sie dann die Schuld?
      Dem armen Säufer, der sich, genau wie sie, nichts vorschreiben lassen wollte? Oder dem Staat, weil der dem Kleingeist den Rauchmelder nicht vorgeschrieben hat?
      Bei der Diskussion um die Rauchmelderpflicht sind Kommentare wie Ihre unangebracht.
      Natürlich dürfen Sie Ihre Meinung haben, aber bitte nicht agressiv in der Öffentlichkeit verbreiten.
      Wehren Sie sich lieber gegen die hohen Spritpreise, gegen die amßlosen Banker, aber lassen Sie Ihren Protest gegen einen (unfähigen) Staat nicht bei einem solchen Thema raus.
      Vielleicht liest nämlich Ihr Nachbar mit!

  4. Jeremias says:

    Reiner Steppkes says: July 3, 2011 at 2:45 pm

    Wie nennt die Psychologie das, was der Staat tut? Ersatzhandlung.

    Da er der Kriminalität nicht mehr Herr wird,aber nicht überflüssig erscheinen will, beschäftigt er sich mit dem “vermeintlich wehrlosen Opfer”, dem “untertänigen” Bürger. Ist hier der Widerstand noch schwach. Leider wird der “untertänige”Bürger, wenn es ihm zuviel ist, zur Furie.
    Jetzt ist nur noch das Problem zu lösen, wann der “untertänige” Bürger zur Furie wird.

    Das Problem mit dem Rauchmelder wäre einfach zu lösen über die Feuerversicherung. Und die hat auch eine monetäre Begründung: Ohne Rauchmelder ist uns die Wohnung zu risikoreich. Deshalb erheben wir auf diese Wohnung einen Risikozuschlag. Denn die nächste Prämienerhöhung kommt bestimmt und die heißt: Risikozuschlag.

    • Andre Ulrich says:

      Genau, die Feuerversicherung.
      Hierzu sei zu erwähnen, dass wahrscheinlich etwa 40% der deutschen Haushalte keine Hausratversicherung, respektive Feuerversicherung besitzen.
      Weil sie kein geld dafür haben, weil es sie nicht interessiert, weil es ihnen egal ist.
      Was passiert bei denen, die eine haben, aber sich auch nicht wirklich dafür interessieren, wenn sie einen Risikozuschlag bekommen?
      Richtig, sie kündigen die Versicherung.
      Und die Zahl der nichtversicherten Haushalte in Deutschland steigt. Was apssiert dann im Schadensfall?
      Richtig, Existenzen zerstört, Sozialfälle, steigende Kriminalität.
      Und Sie werden nicht glauben, wieviele Menschen aus Bequemlichkeit trotzdem keine Rauchmelder installieren und den “Risikozuschlag” von 20 Euro im Jahr gern bezahlen.
      Denn, es gibt zwar viele, die sich vom Staat nichts vorschreiben lassen wollen, aber noch viel mehr lassen sich nicht erpressen!

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