Dioxin-Fleisch, toxische Geldanlagen und Armani-Anzüge

 Thilo Bode von Foodwatch und viele andere –nicht zuletzt wohl fast sämtliche Leitartikler Deutschlands— sind sich einig: Dioxin und andere Gifte in Lebensmitteln lassen sich nur durch mehr und gründlichere staatliche Kontrollen verhindern.

 Sie mögen sich einig sein, aber sie liegen alle falsch.

 Tatsächlich verhält sich die Sache genau umgekehrt: Staatlich-institutionalisierte Lebensmittelkontrollen vergrößern die Gefahr, dass verdorbene oder vergiftete Nahrungsmittel in den Handel kommen—genauso, wie staatliche Börsen- und Bankenkontrollen die Gefahr vergrößern, dass ahnungslose Anleger toxische Papiere kaufen oder ihre Ersparnisse in einem Schneeballsystem verlieren.

 Um verständlich zu machen, wie ich auf diese vielleicht irrsinnig scheinende Idee verfallen konnte, muss ich erst einmal zeigen, mit was für einem Problem wir es überhaupt zu tun haben. Es ist das Problem des versteckten, also nicht offensichtlichen, Produktmangels—beim dioxinverseuchten Fleisch wie bei toxischen Geldanlagen. Bei Produktmängeln, die für jeden Kunden sichtbar, schmeckbar und riechbar sind, gibt es überhaupt kein Problem: Ein Supermarkt, der immer nur vergammeltes Obst und welkes Gemüse anbietet, wird schnell keine Kunden mehr haben. Und der Gebrauchtwagenverkäufer, der notdürftig ausgebeulte und schlecht lackierte Unfallautos zum selben Preis anbietet, den sonst Autos ohne Unfall kosten, wird mit dem Preis runtergehen müssen, wenn er noch Käufer finden will. Desgleichen mit schlecht genähten, schlecht geschnittenen und kratzigen Hosen: Es leuchtet Jedem ein, dass sich in diesen Fällen jede staatliche Kontrolle erübrigt, jedenfalls aber eine „Hilfe“ darstellt, die der Kunde nicht braucht, weil er die Produktqualität unmittelbar selbst beurteilen kann.

 Erst bei nicht riech- und schmeckbaren Giften in Lebensmitteln und bei der nicht sichtbaren Bonität des einer Geldanlage zugrundeliegenden Unternehmens haben wir ein Problem: Seine fünf Sinne lassen den Kunden kläglich im Stich; er kann die Produktqualität nicht beurteilen. Da sind selbst Experten aufgeschmissen; und meinem Freund, dem Biochemiker, ergeht es bei Dioxin in Fleisch oder Eiern nicht besser als mir; und auch mein Bankberater hatte, anders allerdings als ich, Lehmann-Zertifikate gekauft.

 Also scheint doch der Ruf nach möglichst lückenlosen, staatlichen Kontrollen über die gesamte Produktionskette bei solchen, nicht bloß versteckten, sondern auch noch gefährlichen Produktmängeln mehr als gerechtfertigt, oder nicht? Und wer außer dem Staat sollte denn überhaupt in der Lage sein, die Qualität von Produkten der ausschließlich profitorientiert arbeitenden Produzenten zu überwachen?

 Wer so fragt, setzt schon voraus, dass profitorientierte Verkäufer kein Interesse an der Produktkontrolle und –qualität haben. Und genau hier liegt der fundamentale Irrtum. Die beste Produktkontrolle gewährleistet der Verkäufer, und zwar nicht obwohl, sondern WEIL er ausschließlich profitorientiert arbeitet. Und das gilt für jeden Verkäufer, der in der bei modernen Produkten fast endlos langen Produktionskette ja immer auch Käufer ist. So hat nicht nur der Bio-, sondern jeder Bauer ein vitales Interesse daran, für seine Tiere kein giftiges Futter vom Futtermittelproduzenten zu kaufen. Denn wenn sich dieser versteckte Mangel herausstellt, dann wird sein Betrieb pleite gehen, weil niemals mehr ein Schlachter oder ein anderer Einzelhändler bei ihm kaufen wird. Und es wird ihm auch nichts helfen, wenn er anführt, er habe ja selbst nicht die Mittel gehabt, das Tierfutter auf Dioxin zu testen. Das interessiert seine Kunden nicht. Also ist gerade der ausschließlich  profitorientiert arbeitende Bauer GEZWUNGEN, alles zu unternehmen, um die einwandfreie Qualität seiner Produkte sicherzustellen.

 Warum aber sind dann, wie es aussieht, dioxinbelastetes Fleisch und Eier bis in den Einzelhandel gelangt? Das ist geschehen, eben WEIL wir staatliche Kontrollen haben. Machen wir ein Gedankenexperiment: Was wäre passiert, hätten wir keinerlei staatliche Lebensmittelkontrollen in der gesamten Produktionskette gehabt, und ein Futtermittelhersteller hätte stark dioxinbelastetes Futter verkauft?

 Nun, der kleine Bio-Bauer verfügt sicher nicht über die Ressourcen, teure Tests auf Toxizität an jeder Futtercharge, die er kauft, durchführen zu lassen. Bei großen Massengeflügelproduzenten sieht die Sache schon anders aus: Sie können ein Labor auf ihrem Betriebsgelände einrichten, um eben solche Tests zu machen. Und noch besser: Sie können sich mit anderen Fleischproduzenten zusammentun und ein einziges Zentrallabor für Deutschland oder sogar ganz Europa einrichten und die Testergebnisse dann auch an kleine Bio-Bauern verkaufen. Die Kosten für die Tests werden dadurch immer weiter sinken. Und wenn die Fleischproduzenten das nicht tun sollten, dann werden es die Lebensmittelgroßhändler tun, die Nächsten in der Produktionskette. Oder die Einzelhändler testen gemeinsam die Qualität; das war der Grund für die Gründung von EDEKA 1898, der „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler“: die zentralisierte Qualitätskontrolle senkte die Kosten. In jedem Fall ist der Endverbraucher, der Konsument also, der seine Lebensmittel beim letzten Produzenten der Produktionskette kauft, bestmöglich geschützt, weil die versteckten Mängel irgendwo innerhalb der Produktionskette durch profitorientierte Unternehmer aufgedeckt werden und schadhafte Produkte es nur sehr selten bis zum Konsumenten schaffen, jedenfalls nicht in großer Zahl und über Monate und Jahre hinweg.

 In dem System, das wir haben, das System der ausgefeilten staatlichen Zulassungs- und Kontrollsysteme in der Lebensmittelproduktion, sieht die Sache anders aus: Kein Produzent in der langen Produktionskette hat mehr ein wirtschaftliches Interesse daran, die von ihm gekauften Vorprodukte, zum Beispiel Futtermittel, auf Qualität zu überprüfen, weil er sich in diesem System jederzeit glaubwürdig damit herausreden kann, sein Zulieferer, nicht er selbst, habe den Mangel zu verantworten. Denn schließlich hat ja der Staat die Aufgabe übernommen, die Sicherheit von Lebensmitteln zu prüfen und zu gewährleisten, so dass der Zwischenhändler keine Sorgfaltspflicht verletzt, wenn er nicht, zusätzlich zu der staatlichen Kontrolle, auf Gifte testet. Warum sollten Aldi, oder Penny, oder Lidl Kosten für Tests aufwenden, die ihre jeweiligen Konkurrenten nicht aufwenden, da sie ja weder strafrechtlich noch zivilrechtlich jemals zur Verantwortung gezogen werden können, selbst dann nicht, wenn jede Menge Aldi-, oder Lidl- oder Penny-Käufer von giftigen Nahrungsmitteln krank werden sollten? Und die Konsumenten würden ihnen auch vergeben und weiterhin bei ihnen kaufen, weil sich ihre ganze, durch den Staat und die Medien suggerierte und gelenkte, aber ohnmächtige Wut auf den EINEN bösen Betrüger, zum Beispiel den Futtermittelhersteller, richtet.

 So ist das bei einer scheinbaren Haftungsverlagerung auf den Staat, der ja in letzter Instanz nie wirklich haftet, das heißt, die Geschädigten nicht entschädigt, sondern auf sein eigenes Versagen bei der von ihm monopolisierten Qualitätskontrolle regelmäßig mit einer Ausweitung derselben staatlichen Bürokratie und damit noch höheren Kosten für den Steuerzahler antwortet. Das bedeutet aber auch, dass die Produzenten noch weniger Ressourcen zur Verfügung haben, um eigene Qualitätskontrollen einzuführen. Hier ist die Rede von einer Abwärtsspirale am Platze: Mehr staatliche –und notwendigerweise unzulängliche— Kontrolle führt zu immer weniger unternehmerischer Kontrolle, die wesentlich effektiver wäre. Die am schlimmsten Betroffenen in diesem System sind übrigens die kleinen und mittleren Bauern, die ihren wirtschaftlichen Schaden –die gekeulten Schweine und die unverkäuflichen Eier—vermutlich von niemandem ersetzt bekommen.

 Und wie verhält es sich mit staatlichen Kontrollinstitutionen und toxischen Geldanlagen, dem zweiten Teil der Argumentation? Hier reicht es, zwei besonders instruktive Beispiel anzuführen:

 Eine nord-norwegische Kleinstadt kaufte vor sechs oder sieben Jahren von smarten Goldman Sachs-Bankern, die von Oslo aus ausgeschwärmt waren, toxische Papiere für 20 Millionen Dollar, und nahm für den Kauf sogar noch Kredite auf. Die Anlage galt als sicher, weil Goldman Sachs von der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde zertifiziert ist—und weil auch die Kreditbewertungsagenturen, Standard&Poor und Moody’s, die die Papiere mit einem AAA, der höchsten Güteklasse, bewertet hatten, ihr Plazet von der amerikanischen  Regierung verliehen bekommen hatten—und nur deshalb war die Kommune nach dem in westlichen Staaten geltenden Kommunalrecht überhaupt befugt, hier Geld anzulegen. Die Bürgermeisterin der Stadt, im Anschluss an die Pleite ihrer Gemeinde von einem Fernsehjournalisten befragt, was sie aus dieser Geschichte gelernt habe, schaute wehmütig in die Kamera und sagte auf Englisch: „Eleganten, braungebrannten Männern in Armani-Anzügen nicht mehr zu vertrauen…“—Mit Verlaub, aber hier irrt die Dame. Denn sie hatte ja in Wahrheit gar nicht den Männern in den Armani-Anzügen, sondern den Börsenkontrollen der USA vertraut. Wäre sie auf der Straße von einem eleganten, braungebrannten Mann im Armani-Anzug angesprochen worden, der sich als, sagen wir, Bankier aus Albanien vorgestellt und ihr dieselbe Geldanlage wie die Goldman-Sachs-Leute vorgeschlagen hätte, so hätte sie ihm wohl kaum vertraut. (Um hier jedem Missverständnis vorzubeugen: Goldman Sachs hat niemanden betrogen. Die „toxischen“ Papiere stellten sich erst Jahre später als toxisch heraus. Und die Investmentbank Goldman Sachs selbst hielt noch zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes mehrere Hundert Millionen Dollar an solchen Papieren in ihrem eigenen Portfolio, die sie als Totalverlust abschreiben musste. Als sie die Papiere an die norwegische Stadt verkauften, handelten die Banker mit der Überzeugung, werthaltige, nicht toxische, Anlagen vermittelt zu haben.)

 Genauso wie der nord-norwegischen Bürgermeisterin erging es den Madoff-Anlegern, die das seltsame Privileg hatten, dem größten Schneeballsystem aller Zeiten –65 Milliarden Dollar—aufgesessen zu sein: Sie haben nicht dem eher schmierig wirkenden Emporkömmling vertraut, sondern den Kontrollinstitutionen der Vereinigten Staaten von Amerika. Das waren alles keine Hasardeure, die schnell das große Geld machen wollten und dafür etwa bereit gewesen wären, große Risiken einzugehen. Im Gegenteil; Bernard Madoff war dafür bekannt, dass er seinen Kunden zwar keine exorbitanten, aber dafür seit Jahrzehnten gleichmäßige Renditen von zehn Prozent bescherte. Die Anleger waren Menschen, die ihr Geld sicher investieren wollten, damit es nicht von der Inflation aufgefressen wird. Und Bernard Madoffs Investment-Firma hatte die Zulassung zum Börsenhandel von der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde, der SEC, erhalten, von der sie regelmäßig geprüft wurde. Im Dezember 2008 erklärte die „Elie Wiesel Foundation for Humanity“, eine Stiftung des Schriftstellers und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel, der als Jugendlicher Auschwitz überlebt hatte, sie habe fast das gesamte Stiftungsvermögen in Höhe von 15,2 Millionen Dollar an Madoff verloren. Und eine New Yorker Geprellte erzählte im Fernsehen, sie habe sogar bei der SEC angerufen, um sich zu erkundigen, ob mit Madoffs Firma alles in Ordnung sei: Die SEC habe ihr versichert, auch die jüngste Prüfung habe ergeben, dass die Firma alle gesetzlichen Anforderungen erfülle.

 Das traurige Fazit: Solange wir staatlich institutionalisierte Kontrollen haben, bleibt uns als Konsumenten jede Möglichkeit genommen, Gifte in Lebensmitteln zu erkennen oder zu vermeiden. Einen kleinen Trost kann ich allerdings nachreichen: Wenn es nicht um unsere Gesundheit, sondern nur um unser finanzielles Wohlergehen geht, können wir die schädlichen Wirkungen der staatlichen Kontrollinstanzen immerhin dadurch vermeiden, dass wir ausschließlich da investieren, wo wir das zugrundeliegende Geschäft verstanden haben. Und wenn wir uns diese Expertise nicht aneignen wollen, dann müssen wir uns eben mit dem durch die staatliche Geldpolitik produzierten Inflationsverlust auf dem Sparbuch abfinden.

 Es bleibt ein verhängnisvoller Irrtum zu meinen, wir könnten die Erkenntnis und die Vermeidung von Lebensrisiken erfolgreich an den Staat delegieren.

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19 Responses to Dioxin-Fleisch, toxische Geldanlagen und Armani-Anzüge

  1. mettskillz says:

    Interessanter Gedanke, der dabei aber außer acht lässt, dass nicht jeder Mensch respektive jedes Unternehmen moralisch gut ist. Das Gedankenspiel, komplett auf staatliche Kontrolle zu verzichten berücksichtigt nämlich keine Unternehmen, die es darauf ankommen lassen, schlechte Qualität zu verkaufen und darauf zu hoffen, dass der Fusch unentdeckt bleibt.
    Natürlich trifft das nicht auf jedes Unternehmen zu und die Macht des Marktes führt sicherlich zu einem hohen Durchschnittsstandard – aber schwarze Schafe wird es auch dann geben, wenn sich der Staat komplett zurückziehen sollte.

  2. Von Moral ist in dem Beitrag keine Rede. Evas Schlussfolgerungen würden auch gelten wenn jeder Mensch – nach welchem Standard auch immer – unmoralisch wäre.

    Das Argument, daß es Schwarze Schafe auch bei Rückzug eines Staates geben würde, ist denn auch ein Argument _für_ den Rückzug des Staates.

    Denn wenn es schwarze Schafe gibt, dann werden diese immer danach streben auf der Seite der Kontrolleure, sprich des Staates zu stehen, und nicht auf der Seite der Kontrollierten, d.h. der Unternehmen. Staatliche Kontrolle kennt im Gegensatz zum Markt keinen Wettbewerb. Wer unmoralisch ist, wird immer das Mittel der Macht dem Mittel der Produktion vorziehen.

    Unmoralisches Verhalten als Teil der menschlichen Natur ist immer ein Argument gegen staatliche Kontrolle.

    Außer man erachtet es als erstrebenswert von unmoralischen Menschen kontrolliert zu werden.

    Viele Grüße

    Michael Kastner

  3. Roithamer says:

    Ja Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber wenn wir erstmal Oligopole haben, ist es mit der Konkurrenz und den unabhängigen Kontrollen schnell vorbei. Natürlich ist staatliche Bevormundung Mist, aber jenseits des Staates beginnt nicht gleich das Paradies.

  4. @Roithamer

    Es hat ja keiner behauptet, daß eine Marktwirtschaft perfekt ist. Aber man muß die Situation nicht noch verschlimmern, indem man die Möglichkeit schafft, daß sich die größten Verbrecher der staatlichen Monopole bedienen können.

    Und: auch ein Monopol oder am Oligopol, das sich am Markt durch Wettbewerb herausbildet ist immer noch besser als ein staatliches Monopol.

    Auch hier gilt: was wird jemand, der vor krimineller Energie strotzt, wohl eher vorziehen, ein staatliches Gewaltmonopol oder eine Markmonopol, das darauf beruht, daß es Produkte herstellen muß, die vom Kunden gewünscht werden?

    Viele Grüße

    Michael Kastner

  5. Leiba Bronstein says:

    Muss mich den Herrn Mettskilz anschliessen.
    Der folgende Trick ist weit verbreitet – man gründet eine Firma, verkaufe “toxische” Ware. Wenn die Verbraucher es spüren, Firma geht in Konkurs…
    Die Empfehlung nur beim Etablierten, lange auf dem Markt ansässigen Firmen zu Kaufen lasse ich nicht gelten. Dann hätten wir keinen innovativen Start-Ups.
    Im Falle der Lebensmittelkontrollen die Idee der Autor klar ist, die Wirtschaft und Handel selbst, aus Angst von dem Schadenersatzklagen kontrollieren sollen.
    Aber es ist mir, welcher Kontrollmechanismus im Falle der Finanzanlagen greifen sollte?

    • Edith Puster says:

      @ Laiba Bronstein

      Zur Frage der Finanzanlagen: Gäbe keine staatlichen Kontrollen, Zertifikate oder ähnliches, dann bestünde die erste, ganz wichtige Hilfe für den Kunden darin, dies zu wissen und sich deshalb nicht in Sicherheit zu wiegen. Der Kunde wüsste dann, dass er selbst aufpassen muss. Er müsste sich also über die Risiken der von ihm erwogenen Finanzanlagen schlau machen.

      Wer sich das nicht zutraut, der wüsste dann von vornherein, dass er die folgenden drei Möglichkeiten hat. (i) Er lässt die Finger davon (so wie man ja auch im Wald nicht einfach irgendwelche Früchte isst, wenn man keine Ahnung hat). (ii) Er bezahlt einen Dienstleister, der sich für ihn schlau macht und der bereit ist, für Schaden zu haften. (iii) Er tritt einer Interessengemeinschaft bei, welche das Ziel hat, Anleger zu schützen, und welche Leute beschäftigt, die davon etwas verstehen und die gefeuert werden (oder haften), wenn sie Mist bauen. – Auch letzteres wird natürlich nicht kostenlos zu haben sein. Doch das ist nicht nur moralisch in Ordnung (denn es ist ja mit erheblichen Anstrengungen bzw. Kosten verbunden, sich schlau zu machen), sondern es ist sogar unabdingbar für das Funktionieren, da sich nur derjenige gebührend anstrengt, der bei Gelingen Gewinn und bei Misslingen Verlust macht. – Schlimm an Kontrollen, die von Staatsdienern durchgeführt werden, ist ja gerade auch, dass diesen bei erfolgloser Arbeit kaum eine Einbuße droht.

  6. Stefan Strauss says:

    Als Ende der 60 iger Jahre ein stark regulatorisches Lebensmittel Gesetz eingeführt wurde, erzählte man sich in der Branche den Witz, nun wisse man endlich welchen Mist man in welchen Mengen in die Wurst packen darf.

  7. Y rick off says:

    Wenn am Ende, dem Verbraucher nachgeschaltet, der Staat als Strafverfolger steht, und auch Monopole zerschlägt die sicher unerwünscht sind, klappt das.
    Das Problem ist ja das durch die Kontrolle die dem Verbraucher vorgeschaltet ist der Endruck erweckt wird das alles in Ordnung ist.

    Monopole, oder Oligopole, wie sie in Russland und der Ukraine vorkommen sind in der Tat die Pest. Der Verbraucher hat keine Wahl und muss teuren Dreck kaufen. So etwas kann in der offenen Wirtschaft in Westeuropa aber nicht passieren (oder sollte nicht passieren können) da dort wo ein Geschäft ist immer ein Zweiter versucht Boden zu gewinnen.

  8. … der Staat als Strafverfolger steht, und auch Monopole zerschlägt die sicher unerwünscht sind, klappt das …

    Dann klappt es auch nicht. Erstens sind Monopole als solches nichts schlechtes, denn sie bilden sich heraus, weil sie die Wünsche der Verbraucher besser erfüllen als die Wettbewerber und zweitens ist der Staat als Strafverfolger, egal ob nach- oder vorgelagert, in jedem Falle ein Magnet für Menschen mit krimineller Energie.

    Diese verfolgen in jedem Falle ihre eigenen Interessen. Aber eben nicht in der Form, daß sie Güter produzieren, sondern indem sie produzierte Güter unter sich aufteilen.

    Wie sagte doch einer der Vorredner so schön: Man sollte nicht außer acht lassen, daß „… nicht jeder Mensch respektive jedes Unternehmen moralisch gut …“ ist. Und das gilt in ganz besonderem Maße auch für Menschen, die das Gewaltmonopol besitzen.

    Viele Grüße

    Michael Kastner

    • economist says:

      Erstens sind Monopole als solches nichts schlechtes, denn sie bilden sich heraus, weil sie die Wünsche der Verbraucher besser erfüllen als die Wettbewerber

      @Herr Kastner: Monopole koennen sich aus verschiedensten Gruenden bilden. Z.b. weil die Kostenstruktur in einem Sektor so ist, dass nicht zwei oder mehr Unternehmen den Markt gleichzeitig profitabel bedienen koennen (v.a. bei klassischen Versorgungsdienstleistungen) oder weil Netzwerkeffekte wirken (Facebook, MS Windows). Eher selten, weil die Konsumenten es so wollen.
      Ein Monopol ist fuer die Konsumenten praktisch NIE wuenschenswert, da die Preise immer hoeher sind als im Wettbewerb und das Monopol genutzt werden kann, um in anderen Bereichen ebenfalls eine dominante Position zu erreichen.

  9. @economist

    Sicher kann ein Monopol für den Verbraucher wünschenswert sein. Und zwar dann, wenn der Verbraucher die Produkte des Monopols den Produkten der Wettbewerber vorzieht.

    Es wäre ja widersinnig, wenn die Verbraucher ein Produkt, das sie einem anderen vorziehen, nicht kaufen dürften, nur weil es einer überwiegenden Mehrzahl besser zusagt als ein anderes.

    Ich wüßte jetzt nicht, warum Microsoft oder Facebook ein Monopole sein sollten.

    Es ist ebenfalls nicht nachvollziehbar, warum Preise bei einem Monopol teurer sein müssen als beim Wettbewerber. Nehmen wir an, es stimmt, was Sie schreiben, und Facebook wäre ein Monopol: um wieviel ist die Facebook-Nutzung teurer als der Wettbewerb?

    Außerdem sind Preise für den Abnehmer eines Produktes eben nicht der einzige Grund. Menschen sind keine Rechenmaschinen. Ob ein Verbraucher ein Produkt kauft, hängt davon ab, welche Erwartung er an das Produkt hat.

    Die sog. Versorgungsdienstleistungen _sind_ Monopole, aber sie stehen nicht im Wettbewerb, weil dieser nämlich per Staatsgewalt verboten ist. Hinsichtlich der Abnehmer dürften hier massive preisliche Verwerfungen vorhanden sein: schlechte Leistung zu überhöhten Preisen.

    Viele Grüße

    Michael Kastner

  10. Y rick off says:

    Wenn Monopole entstehen weil die Verbraucher nur dessen Produkte wollen, der Raum für Konkurrenten aber da ist . Microsoft und facebook sind da gute Beispiele, auch wenn sie nur fast Monopole sind.

    Monopole die entstehen aufgrund pseudo feudalistischer Strukturen, wie z.B. die Obst Produktion in der Ukraine, das Postmonopol in Deutschland, die Gaslieferanten etc. da verliert der Verbraucher.

    Und klar, der Staat als nachgelagerte Kontrolle besteht auch nur aus Menschen. Die aber im Ideal demokratisch gewählt sind und abgewählt werden können.

    Im Dioxin Fall sollte der Statt das Prinzip des Verursachten Schaden anwenden, statt durch Kontrolle im Vorfeld dem Verursacher einen Persilschein auszustellen. Solange das Vermögen des Betriebs und Besitzers des Verursachers einsetzten bis der Schaden vollständig bereinigt ist. In dem Fall sind das viele Millionen Euro.

  11. Wenn Monopole entstehen weil die Verbraucher nur dessen Produkte wollen, der Raum für Konkurrenten aber da ist .
    Sollte auf das „Wenn“ noch ein „dann“ folgen?

    Anyway, ja und das ist eben gerade keine schlechte Situation. Sie schreiben ja selbst: es ist Raum für Konkurrenten da. Aber offensichtlich kann keiner der Konkurrenten das bieten, was die sog. Monopolisten bieten.

    Sollen die Kunden für ein, aus deren Sicht schlechteres Produkt entscheiden? Nur damit die Konkurrenz auch mal etwas los wird?

    Damit würde man den Kunden schaden. Und die Konkurrenz würde darin gestärkt, weiterhin Produkte anzubieten, die vom Kunden als schlechter als diejenigen des Marktführers angesehen werden.

    Wozu soll das gut sein?

    Microsoft und facebook sind da gute Beispiele, auch wenn sie nur fast Monopole sind.

    Für was sollen die beiden Firmen denn gute Beispiele sein? Daß Monopole ihre Preise ins Unendliche hochtreiben?

    Und klar, der Staat als nachgelagerte Kontrolle besteht auch nur aus Menschen. Die aber im Ideal demokratisch gewählt sind und abgewählt werden können.

    Ja, im Ideal ist der Verbraucher auch informiert, die Welt besteht aus Engeln und an den Bäumen wachsen Grillhähnchen.

    Aber die Welt ist nicht ideal. Die Demokratie ist eine Einrichtung, in der diejeinigen gewählt werden, die am besten lügen und das größte kriminelle Potential haben. Und dafür erhalten sie vom Wähler auch noch das Gewaltmonopol ausgehändigt.

    Es ist ein Anreizsystem, das umgekehrt zum Marktwettbewerb funktioniert: wer am Markt den Kunden bedient, macht am meisten Gewinn; wer beim Staat am meisten lügt und am meisten bedroht und erpreßt kommt am weitesten nach oben.

    In der Marktwirtschaft ist Dioxin in den Eiern und Fleisch ein Verbrechen, in der Staatswirtschaft der Dauerzustand, für den man dem auch noch dankbar sein muß.

    Würde der Staat Eier produzieren, dann würden sie das zehnfache kosten und das Dioxin würde als gesellschaftliche Errungenschaft gefeiert werden.

    Viele Grüße

    Michael Kastner

  12. Edith Puster says:

    @ Michael Kastner: “y rick off” hatte Ihnen Konzessionen machen wollen. Dieser Umstand spiegelt sich in Ihrer engagierten Antwort (bzw. in den ersten 7 Abschnitten derselben) gar nicht wider. – Ich finde es einfach schade, wenn bereits erarbeitete Konsenspunkte nicht ‘gefeiert’ werden.

  13. @Frau Puster

    “y rick off” hatte Ihnen Konzessionen machen wollen.

    Tut mir leid, dann hatte ich wohl seinen Text nicht verstanden.

  14. Y rick off says:

    Wenn Monopole entstehen weil die Verbraucher nur dessen Produkte wollen, der Raum für Konkurrenten aber da ist “, dann mag das in Ordnung sein.”
    Ja, da ist mir der halbe Satz verloren gegangen.

    Vorgaben, Ziele, Gesetzte werden eben nicht ohne Kontrolle eingehalten. Im zivilen Leben ist das aber immer nachgelagert -> Verkehrskontrolle als Beispiel. Die Autos können schneller fahren als erlaubt, und es ist auch kein Sender eingebaut wenn man es tut; aber im rollenden Verkehr wird kontrolliert.

    Nur darauf zu Vertrauen das der Verkäufer langfristig und nicht kurzfristig denkt wäre naiv. Aber die nachgelagerte Kontrolle + dem Schadensregulierung nach dem Verursacher Prinzip wäre sicher besser als Persilscheine am Anfang der Kette; und viel billiger.
    Da greift es auch nicht die Firma nach dem Schadensfall insolvent gehen zu lassen, bei Straftaten (Gift in Lebensmitteln ist fast immer eine Straftat und passiert nur bei Absicht oder grober Fahrlässigkeit) gilt immer die Durchgriff Haftung auf die Inhaber / Verantwortlichen. Wird allerdings fast immer nur gegen “kleine” angewandt. Würde man das auch immer bei der Industrie anwenden sähe vieles anders aus.
    Voraussetzung ist ein Bürger den das Interessiert. Da diese aber eine Minderheit sind, bleibt das alles hier, nicht nur meine dummen Vorschläge, Utopie.

    Gruß

  15. Martin says:

    Eva führt als Fazit des Artikels folgenden Satz an:
    “Solange wir staatlich institutionalisierte Kontrollen haben, bleibt uns als Konsumenten jede Möglichkeit genommen, Gifte in Lebensmitteln zu erkennen oder zu vermeiden.”

    Doch inwiefern beeinflusst dies die Produktqualität bzw. die Dioxinkonzetration der Lebensmittel? Ist es nicht irrelevant, wer unsere Verbrauchsgüter auf gesundheitsschädigende Belastungen überprüft? Ich meine, wenn nun jeder Bauer selbst seine Eier und das Futter für seine Tiere testet, wer gewährleistet uns, dass dies auch gewissenhaft und ohne Schlampereien passiert? Ohne einheitliches Prüfsiegel oder staatlich anerkannte Zertifizierungen kann man selbst geprüften Lebensmiteln doch auch nicht vertrauen. Meiner Ansicht nach geht es ohne eine einheitliche Überprüfung nicht und am einheitlichsten und vertrauenswürdigsten ist nun mal der Staat.
    Macht er das nicht, also würde man private oder gemeinsam genutzte Kontrolleinrichtungen verwenden, so erhöht das unweigerlich die Kosten für den Endverbraucher, da werden die Beschwerden der Konsumenten nicht lange auf sich warten lassen.
    Mein Fazit: Ohne staatlichen Einfluss wäre es nicht möglich, auf der einen Seite die Qualität und Integrität der Produkte und auf der anderen Seite die erschwinglichen Preise zu erhalten.

    • nl says:

      Keineswegs. Wenn der Staat sich aus der Aufsicht raushalten würde, dann gäbe es auch einen Wettbewerb um die Qualität. Denn dann wäre der Handel selbst für die Qualität erforderlich und müsste die Qualität sicherstellen. Einen Dioxin-Skandal, der sich auf ein einzelnes Unternehmen wie Rewe oder Nestle begrenzen lässt, können sich die Firmen gar nicht leisten. So aber war es halt nur die alt-ehrwürdige staatliche Bürokratie, die versagt hat. Niemand ist schuld. Betriebsunfall. So what? Bis zum nächsten mal.

  16. Zu diesem Thema kann ich den Film “Botlled Life” von Frenetic Films. Da wird am Beispiel klar, wie die amerikanische Regulierungsbehörde FDA 0,0 Kontrolle an den inländischen Wasserkonzernen ausübt. Nestle verkauft noch immer unbehelligt Wasser mit toxischen Ingredienzien, aus billigen Plastikflaschen stammend. Dagegen wird das öffentliche Wassersystem akriebisch kontrolliert. Mit Armani Massanzüge verhält es sich sehr ähnlich. Die Hersteller kontrollieren sich staatlich selber.

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