Verbraucherzentrale gegen Facebook

Die unerträgliche Arroganz unserer Nettostaatsprofiteure–mein Offener Brief an den Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes in Berlin.

 Hinweis am 20.1.2012: “Der Markt”, wo mein offener Brief ursprünglich erschienen ist, ist leider gecrasht – mit allen Leserkommentaren auf der Seite. Deshalb stelle ich den Brief hier auf meine Seite:

 

Ein offener Brief

Eva Ziessler
Hamburg
 
Herrn
Gerd Billen
Vorstand
Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. – vzbv
Markgrafenstraße 66
10969 Berlin

                                                                           Hamburg, den 29.11.2010

Sehr geehrter Herr Billen,

Meldungen deutscher Tageszeitungen von heute entnehme ich, dass der Verband, dem Sie vorstehen, beim Landgericht Berlin Klage gegen Facebook erhoben hat wegen Nichteinhaltung europäischer Datenschutzstandards.

Als Facebook-Nutzerin und damit Verbraucherin, deren Interessen Sie ausweislich Ihrer Website vorgeblich vertreten („Der Verbraucherzentrale Bundesverband – vzbv vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit: die Stimme der Verbraucher.“) fordere ich Sie hiermit auf, die diesbezügliche Klage umgehend zurückzunehmen. Und zwar aus folgendem Grund:

Eine Klage gegen Facebook ist nicht nur nicht in meinem Interesse, sondern sie schadet meinen Interessen, und das in mehrfacher Hinsicht:

1. Der Firma Facebook entstehen durch die Klage zunächst Anwalts- und Gerichtskosten. Diese Kosten mindern für die Zunkunft den Betrag, den die Firma Facebook in die Verbesserung ihres Kundenservices zu investieren in der Lage sein wird.

2. Allein dadurch werde ich als Nutzerin und Kundin von Facebook in einem nicht messbarem Ausmaß geschädigt. Das ist nicht nur nicht in meinem Interesse, sondern steht in direktem Widerspruch zu meinen Interessen.

3. Sollte die Firma Facebook in dem Rechtsstreit mit Ihrem Verband unterliegen und ihr daraufhin noch weitere Kosten bis hin zur gerichtlich erzwungenen Änderung ihres Geschäftsmodells entstehen, so werde ich in doppelter Hinsicht geschädigt: Der Kundenservice der Firma Facebook wird sich notwendigerweise verschlechtern, weil Facebook erstens Geld an Sie und Ihre Anwälte wird zahlen müssen, das für die Kunden dann nicht mehr zur Verfügung steht, und weil Facebook zweitens seine Nutzungsbedingungen nicht mehr an den Kundenwünschen (also an meinen und denen der anderen Nutzer) wird ausrichten können, sondern diese nach den Wünschen des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes wird gestalten müssen.

Inhaltlich kann ich mich zu der Klage nur eingeschränkt äußern, da mir die Klagebegründung nicht vorliegt. Den Meldungen der Tageszeitungen entnehme ich aber, dass Sie gegen den „Friendfinder“ der Firma Facebook vorgehen, und zwar mit der Begründung, Facebook würde gegen Datenschutzrichtlinien verstoßen, indem die Firma Einladungen zur Facebook-Mitgliedschaft per E-mail an solche E-mail-Adressen versendet, die ihr zuvor von bereits bestehenden Nutzern zu eben diesem Zweck, d.h. des Versendens von Einladungen, überlassen wurden. Mir ist unerfindlich, wieso hierdurch die Firma Facebook gegen Datenschutzrichtlinien verstoßen sollte. Allenfalls verstoßen doch diejenigen Facebook-Nutzer, die Adressen ihrer Bekannten an Facebook herausgeben, gegen Datenschutzrichtlinien. Wenn ich einen Party-Service engagiere, für mich eine Party auszurichten, inklusive der Versendung der Einladungen an meine Gäste –wofür ich dem Party-Service dann auch die Adressen der gewünschten Gäste überlassen werde—dann verletzt der Party-Service doch wohl kaum irgendeine Rechtspflicht.

Neben der Tatsache, dass Ihr Verband also schon durch die Erhebung überhaupt irgendeiner Klage gegen Facebook meine Interessen schädigt, tritt erschwerend der Umstand der ausgesuchten Konstruiertheit der Klagebegründung hinzu. Angesichts der Verfasstheit Ihres Verbandes, der laut Organigramm auf Ihrer Website sechs Fachbereiche mit insgesamt 28 Referaten umfasst, und vollständig aus Steuern finanziert ist, kann es allerdings kaum verwundern, ja, ist es sogar folgerichtig, dass der Vorstand und die zahlreichen Mitarbeiter des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes e.V. – vzbv sich mit derartigen Beschäftigungen die Zeit vertreiben.

Da ich nicht naiv bin, rechne ich selbstverständlich nicht damit, dass Sie auf mein Schreiben hin –oder sonstwie durch Einsichten bewegt—die Klage gegen Facebook zurücknehmen werden. Ich wollte nur einmal darauf hingewiesen haben, dass Sie sich wenigstens nicht anmaßen sollten, in meinem Interesse zu handeln. Für mich reicht nämlich schon der Gedanke, dass ich gezwungenermaßen in Ihrem Interesse tätig bin, indem ich nämlich als Steuerzahler den Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. – vzbv mitfinanziere, während ich bei Facebook freiwillig, ganz kostenlos und zu meinem eigenen großen Nutzen Mitglied bin. Vielleicht verstehen Sie, dass ich keinen Wert darauf lege, durch die Tätigkeiten Ihres Verbandes noch darüber hinaus geschädigt zu werden. Deshalb ein Vorschlag zur Güte: Machen Sie doch öfter mal mit Ihren Mitarbeitern aus den 28 Referaten in sechs Fachbereichen eine Karibikreise oder so! Das Geld dafür haben Sie ja. Das wäre uns Facebook-Nutzern wesentlich lieber, als wenn Sie Klagen gegen Facebook erheben. Und gönnen tun wir es Ihnen auch!—Da spreche ich vermutlich mit größerem Recht im Namen aller Facebook-Nutzer als Ihr Verband im Namen der Verbraucher. Also: Lassen Sie mich und Facebook einfach in Ruhe. Wir kommen nämlich prima miteinander klar!

Mit besten Empfehlungen

Eva Ziessler

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s