Warum der Liberalismus keine Zukunft hat

Eine Freundin von mir lebt in einem Vorort von New York mit 13.000 Einwohnern. Obwohl da alles ruhig ist, weil ein Ableger der Soprano-Familie das Sagen hat, leistet sich die örtliche Polizei ein eigenes SWAT-Team, das auch schon mal jemanden erschossen hat, der allzu auffällig mit der Spritzpistole von seinem Gartenschlauch auf seiner Veranda hantierte.

 Kürzlich hat der Stadtrat beschlossen, dass die kleine Polizeistation sich eine eigene Turnhalle für mehrere Millionen bauen darf. Darüber sind nun alle sehr sauer, weil nämlich die Steuern jedes Jahr erhöht und die Polizisten ohnehin schon fürstlich entlohnt werden–und frühzeitig zu sehr guten Konditionen pensioniert werden.

Die Arbeit der Polizisten besteht im Wesentlichen darin, Autofahrer anzuhalten und ihnen dann ein heftiges Bußgeld aufzubrummen, weil sie bei laufendem Motor den Gurt abgemacht haben, um ihren Führerschein aus dem Handschuhfach zu greifen. Das ist dann der Verkehrsverstoß. Auch darüber sind die Leute sehr böse und echauffieren sich häufig und lange. Wenn meine Freundin ihnen dann sagt, man könne die Polizeistation ersatzlos dichtmachen, wird sie von allen angeguckt, als sei sie vom Mars.

 Viele Liberale verstehen einfach nicht, dass mindestens 95% der Bürger in westlichen Staaten erstens vollkommen überzeugt sind, in bestens geordneten Gemeinwesen zu leben und zweitens zum Zeitvertreib gerne tratschen, z.B. über “irrational” und “ineffizient” handelnde Polizisten (“Die sollen sich doch um wirklich wichtige Sachen kümmern!”). Letzteres stört sie aber nicht wirklich, bestätigt es doch eigentlich  ihre Auffassung, in der besten aller Welten zu leben, da sie als Akademiker ja alle den Churchill-Spruch kennen, nach dem die Demokratie die beste aller schlechten Regierungsformen ist. Gewaltanwendung und Korruption halten sie deshalb im menschlichen Umgang einfach für normal, besonders, da sie ja selber auch mal Kugelschreiber und Speichersticks und Druckerpapier von ihrem Arbeitgeber klauen. Aus ihrer Sicht sind das also alles notwendige Transaktionskosten im menschlichen Zusammenleben, die in ihrer Gesellschaft im Vergleich zu richtig korrupten Ländern auch noch in erträglichen Grenzen gehalten werden.

 Liberale kapieren also nicht, dass gerade die Leute, die sich über staatliche Misswirtschaft beschweren, NICHT ihre Verbündeten, sondern, im Gegenteil, Unterstützer des status quo sind. Es wird sich gar nichts ändern. Und, nein, das Geldsystem und der Euro werden auch nicht zusammenbrechen.

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